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Der Abel Tasman Coast Track – drei Tage auf dem Great Walk

Das neuseeländische Department of Conservation hat die neun schönsten Mehrtageswanderungen des Landes ernannt und verwaltet und vermarktet diese nun als „New Zealand Great Walks“. Um in der Hauptsaison diese Routen wandern zu können, lohnt es sich bei einigen Strecken vorzubuchen. Da das nicht so ganz unser Ding auf dieser Weltreise ist, haben wir uns auf einen Great Walk mit zahlreichen Übernachtungsmöglichkeiten und spontaner Buchbarkeit entschieden: Den Abel Tasman Coast Track.

Der Track erstreckt sich auf 60 Kilometern zwischen Marahau und der Wainui Bay. Immer in Küstennähe führt er einmal von Süd nach Nord (oder vice versa) durch den Abel Tasman National Park. Wir sind in Marahau gestartet und haben unsere Wanderung in Totaranui beendet. Nördlich dieser Bucht finden sich nur noch eingeschränkte Transportmöglichkeiten und verhältnismäßig wenig Küstenstücke.

Tag 1 – Von Marahau nach Anchorage

Die Nacht vor der Wanderung haben wir auf dem teuersten Campingplatz unserer ganzen Reise in Motueka verbracht. Nachdem wir morgens in Ruhe gefrühstückt und unser Gepäck einmal auf den Kopf gestellt hatten, um nur das wichtigste dabei zu haben, sind wir nach Marahau gefahren, wo wir unser Auto parken konnten, unsere Wertsachen eingeschlossen haben und den ersten Kilometer bis zum Nationalpark gelaufen sind. Zwei Schritte durch das offizielle Tor und schon waren wir mitten drin – auf unserem ersten neuseeländischen Great Walk. Während uns die ersten Meter über Wattland gleich zu einer grandiosen Aussicht des Weges auf türkisfarbenes Wasser und grüne Küstenwälder führte, ging es danach immer weiter an der Wasserkante entlang. Da es sich ganz typisch neuseeländisch allerdings nicht um einen flachen Strand handelt, der ganz geschmeidig in einen Wald übergeht, hieß es immer wieder auf und ab und auf und ab entlang der mehr oder weniger hohen Steilküste.

An der Apple Tree Bay haben wir dann unsere erste Pause eingelegt und den riesengroßen Vorteil des Tracks genutzt: das kühle Nass. Auch wenn das Meer im Norden der Südinsel für meinen Geschmack immer noch ziemlich kalt war – nach einigen Kilometern mit großem Rucksack und prasselnder Sonne gab es nichts besseres, als die Mittagspause mit einem Sprung in den Ozean zu versüßen. Gleichzeitig haben wir aber auch den großen Nachteil des Tracks bemerkt: Insbesondere die Strecke zwischen Marahau und Anchorage bietet sich hervorragend für einen Tagesausflug mit Kayak und Wanderschuhen an. Und so war die Strecke und der Strand voller Menschen. Nicht ganz die idyllische Einsamkeit, die wir uns vorgestellt hatten. Aber bei diesen Aussichten auch nicht zu verübeln.

Als unsere Kräfte dann so langsam nachließen, begannen wir endlich den Abstieg in die Bucht von Anchorage. Dort angekommen mussten wir jedoch erst einmal den kompletten Strand entlang wandern, um am anderen Ende der Bucht unseren Zeltplatz zu erreichen. Mit jedem Schritt bin ich gefühlt ein Stück weiter in den Sand eingesunken. Aber irgendwann hatten wir es dann geschafft. Nachdem das Zelt stand, gönnten wir uns noch einmal einen Sprung ins kühle Nass, bevor wir unsere Mägen mit den besten roten Linsen aller Zeiten füllten. Nach ein paar Kartenrunden mit unserer britischen Wanderbekanntschaft sind wir dann ziemlich schnell ins Land der Träume aufgebrochen.

Tag 2 – Von Anchorage nach Onetahuti Bay

Am nächsten Morgen haben wir nach einem schnellen Porridge das Zelt abgebaut und unsere Rucksäcke aufgeschnallt. Der Abel Tasman Coast Track führt nämlich nicht nur entlang der Küste, sondern auch durch die ein oder andere Bucht durch. Die Flut im Nationalpark ist eine der stärksten des Landes, sodass eine Querung bei High Tide nicht nur zu nassen Füßen führt. Die haben wir auch bereits bei Low Tide in der Torrent Bay bekommen. Und nachdem wir auch noch so einigen Krebsen ausweichen mussten und uns mitten in der riesigen Bucht fragten, wo denn der Weg nun eigentlich weitergeht, kamen wir deutlich wacher als zu Beginn der Wanderung am anderen Ende der Bucht an.

Die folgenden Kilometer führten zwar nicht mehr direkt an der Küste entlang, dafür durch schönsten neuseeländischen Regenwald. Das auf und ab wurde zwar noch ein wenig stärker als an Tag 1, aber die Ausblicke und Geräusche entschädigten uns für so einiges. In Bark Bay legten wir unsere Mittagspause ein und genossen den Ausblick auf die vielen abfahrenden Wassertaxis und Kayaks und ein äußerst interessantes Gespräch mit Neuseeländern zum Thema Umweltschutz. Die Bucht wollte von uns jedoch noch durchquert werden und so langsam hatten wir die Flutzeiten aus den Augen verloren. Nach vielen Metern über sandigen, aber ausgetrockneten Meeresboden standen wir vor einer bereits ziemlich gut gefüllten Flutrinne. Schnell noch die Hosenbeine ein Stück weiter nach oben geschoben, schon waren wir auf der anderen Seite und konnten unseren bergigen zweiten Wandertag fortsetzen.

In der Onetahuti Bay hatten wir unser Tagesziel dann endlich erreicht. Obwohl wir uns da am Anfang nicht ganz sicher waren: Für die zweite Nacht hatten wir einen Campground gebucht, der anders als in Anchorage nicht an eine Hütte angeschlossen war. So sind wir noch ein Stück über das leere Stück Wiese direkt hinter dem Strand gewandert, bis wir uns mit einer weiteren eintreffenden Wandererin einig waren, dass das dann wohl der gebuchte Platz sein müsste. Danach folgte das gleiche Prozedere wie am ersten Tag: Zelt aufbauen und ab ins kühle Nass. Ganz einsam mit nur wenigen anderen Wanderern genossen wir die Aussicht auf die perfekt geformte Bucht. Von den Geräuschen des neuseeländischen Waldes umgeben, konnten wir kaum glauben, wie traumhaft sich der Himmel während des Sonnenuntergangs verfärbte. Wie immer konnte nur eine diese trügerische Ruhe stören: die fiese neuseeländische Sandfliege. Daher haben wir uns dann doch lieber früher als später in unser mobiles Zuhause verzogen.

Tag 3 – Von Onetahuti Bay nach Totaranui

 Auch am dritten Tag konnten wir uns keine ungeplante Verzögerung leisten. Während die beiden am Vortag durchquerten Buchten auch über Flutwege zu umgehen gewesen wären, mussten wir Awaroa Bay erreichen, bevor die Flut zu weit hinein rückt. So starteten wir gegen neun über den einsamen Strand unsere sieben Kilometer bis zur Bucht. Zwischenzeitlich ist der Track deutlich einsamer geworden und wir begegnen auf vielen Abschnitten keiner Menschenseele. So haben wir uns unseren Great Walk vorgestellt: Wie in einer Broschüre des DoC sind wir umgeben von neuseeländischem Regenwald, durch den immer wieder das türkisfarbene Meer blitzt. Keine menschengemachten Geräusche dringen an unser Ohr, einzig und allein die verschiedensten Vögel kommunizieren akustisch miteinander. Aber die nächste Reisegruppe ließ natürlich nicht ewig auf sich warten und so wurde die Stille kurz vor Awaroa Bay von einer dreißigköpfigen Gruppe und ihrem Guide gebrochen.

Nachdem wir in der Awaroa Bay angekommen waren, war mal wieder nicht so ganz klar, wo der Weg auf der anderen Seite nun weitergehen soll. Das Rätsel hatten uns entgegenkommende Wanderer schnell geklärt und so mussten wir nur noch unsere Schuhe ausziehen und über die scharfkantigen Muscheln hunderte Meter zur anderen Seite laufen. Da wir die Bucht zum Zeitpunkt des niedrigsten Wasserstandes durchquerten und ich bereits da bis zu den Knien nass wurde, kann ich mir kaum vorstellen, wie die Querung eineinhalb Stunden früher oder später aussehen soll. Einen Umweg um die Bucht zu laufen ist nicht möglich, daher fiel uns ein Stein vom Herzen, als unsere Planung funktioniert hat.

Die verbleibenden sieben Kilometer bis Totaranui forderten uns noch einmal heraus. Zwischen immer neuen und gefühlt immer steileren Anstiegen lagen zwei lange Buchten, von denen wir eine über den Strand queren mussten. Mit müden Beinen und einem großen Rucksack half auch die Abkühlung an den Füßen nicht mehr. Aber irgendwann hatten wir dann jedes Sandkorn hinter uns gelassen und konnten wieder auf einen stabileren Weg zurückkehren. Gut, dass kurz vorm Ziel dann noch einmal der stärkste Anstieg der Strecke lag. Schritt für Schritt haben wir uns nach oben gekämpft und konnten von dort auch endlich unser Ziel sehen: Totaranui. Da es sich dabei (natürlich) um eine Bucht handelt, führt der Track noch einmal den gesamten Berg hinab, dann hinterm Strand entlang und schließlich – waren wir am Ende unseres Tracks angelangt.

Da wir das Örtchen schon ein ganzes Stück früher am Tag erreicht hatten, als geplant, beschlossen wir, unsere Übernachtung dort verfallen zu lassen und mit dem nächsten Wassertaxi nach Marahau zurückzufahren. Mit dem kleinen Boot konnten wir unsere gelaufene Strecke noch einmal von der Meerseite aus betrachten. Bei schönstem Sonnenschein und mit dem Fahrtwind im Haar waren wir ein klitzekleines bisschen stolz auf unseren ersten absolvierten Great Walk.

Tipps und Tricks

Für den Abel Tasman Coast Track ist ganzjährig eine Reservierung der Zeltplätze oder Hüttenschlafplätze vorab notwendig. Die entsprechenden Buchungen kannst du über die Homepage des DoC vornehmen. Dort findest du auch Hinweise, wie lange du für welche Strecke brauchst, an welchen Orten Trinkwasser erhältlich ist und was du einpacken solltest. Der Track ist, anders als die verbleibenden acht Great Walks, auch in der Hauptsaison relativ kurzfristig buchbar. Dafür solltest du jedoch keine einsamen Wege und Plätze erwarten. Nach Tag 1 verteilen sich die Wanderer jedoch gut, sodass der Weg für unseren Geschmack zu keinem Zeitpunkt zu überlaufen war. Während die Campingplätze und Hütten, die das DoC verwaltet, meistens eine der günstigsten Übernachtungsoptionen in Neuseeland sind, wird für Schlafplätze entlang von Great Walks ein Aufschlag verlangt. Wir haben dadurch pro Person und Nacht 14 NZD gezahlt. Nicht unbedingt wenig für Plätze ohne Duschen und zum Teil auch ohne Trinkwasser. Die Lage der Campgrounds und die gute Instandhaltung des Weges haben den Preis für uns jedoch wieder wett gemacht.

Berücksichtige bei deiner Buchung unbedingt die Tide-Charts. Diese findest du ebenfalls auf der Homepage des DoC. Während du Torrent und Bark Bay bei einer kleinen Fehlplanung auch mit relativ wenig Zeitaufwand umlaufen kannst, ist das bei Awaroa Bay nicht möglich. Der Zeitraum rund um die Ebbe, zu dem eine Durchquerung möglich ist, ist dort außerdem deutlich kleiner als bei den beiden anderen Buchten. Sollten die Flutzeiten in deinem gewünschten Wanderzeitraum nicht zur Route passen, versuch doch deine Wanderung vom anderen Ende aus zu starten.

Da es sich beim Abel Tasman Coast Track nicht um einen Roundtrip handelt, musst du von deinem Auto/deiner Gepäckaufbewahrung zum Start bzw. vom Ziel wieder zurückkommen. Wir haben uns dafür entschieden, unseren Track mit einer Wassertaxifahrt entlang der Küste abzuschließen. So konnten wir unsere zurück gelegte Strecke noch aus einer anderen Perspektive betrachten und dabei unsere mit Eindrücken gefüllten Köpfe einmal ordentlich durchpusten lassen. Da die Schiffe nich nördlicher als Totaranui fahren, haben wir den Track verkürzt und das unpopuläre Reststück zwischen Totaranui und Wainui Bay weggelassen.

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