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Unser Atacama Roadtrip: In fünf Tagen durch die Wüste

Nach einem etwas chaotischen Start im nordchilenischen Calama nahmen wir am 18. April endlich unseren Allradwagen entgegen, kauften einige Grundnahrungsmittel für die nächsten fünf Tage, holten unsere verbleibenden Mitreisenden am Flughafen ab und machten uns gegen 20.00 Uhr auf den Weg nach San Pedro de Atacama.

Nach einer guten Stunde Fahrt durch die schwarze Nacht kamen wir in der Oasenstadt auf 2.400m Höhe an – und mussten erst einmal die exorbitanten Übernachtungspreise verdauen. Ganz am Rande des Dörfchens fanden wir dann den besten Campingplatz, den wir uns vorstellen konnten: Hängematten, freundliche Mitarbeiter und Besitzer, geschützte Zeltplätze und reisefreundliche Preise. So konnten wir unsere erste Nacht auf dieser Höhe ziemlich gut verbringen um am nächsten Tag voller Vorfreude festzustellen, dass Chile alle seine Bewohner zählen möchte und daher so ziemlich jeder Shop, jedes Restaurant und jede Sehenswürdigkeit geschlossen war.

Atacama Roadtrip Tag 1: Lagunas Baltinache

Aufgrund eines Tipps des freundlichen Casa Campestre Mitarbeiters machten wir uns mit einer wagen Wegbeschreibung auf zu den Lagunas Baltinache. Während wir uns ein paar Mal verfuhren, mussten wir uns erst einmal die Augen reiben, durch welche verrückte Natur wir einen Abend zuvor in der Dunkelheit gerauscht waren. So ein bisschen wie von einer anderen Welt wirkte die Weite und Einsamkeit der Andenebenen. Als wir dann endlich die richtige Abbiegung fanden, glaubten wir noch an ein Missverständnis bei dem Blick auf das Straßenschild. Als wir dann aber nach einer halben Stunde über die Schotterpiste immer noch kein Ziel erkennen konnten, wurde uns bewusst, dass es wohl doch 45 Kilometer bis zu den Salzlagunen sein würden.

Irgendwann kam ein winzig kleines Häuschen in Sicht und einige Minuten später fuhren wir endlich auf den staubigen Parkplatz. Als wir ausstiegen, pfiff ein eisiger Wind über die weite Wüstenebene. Da sollten wir also ins kühle Nass springen? Da auch vom Parkplatz aus keine Lagunen zu sehen waren, wollten wir uns die Salzebene erst einmal von Nahem anschauen. Nach wenigen Schritten konnten wir dann endlich einen Blick in die erste Lagune werfen – wie aus dem Nichts war da auf einmal ein tiefes Loch in einem weiten weißen Feld, das mit dem blausten Wasser überhaupt gefüllt war. Kalt war es allerdings immer noch und so liefen wir an weiteren sechs beeindruckenden Lagunen vorbei. Wie wahnsinnig schön konnte diese Natur eigentlich sein? Da standen wir mitten in einer Tiefebene, ganz am Rande hoben sich riesige Berge in die Luft. Ein Himmel, so blau wie er nur ganz weit weg von großen Städten und auf einigen tausend Metern Höhe sein kann. Eine weiße Ebene, die so blendend hell ist, dass die Sonnenbrille zur Pflichtausstattung gehört. Und direkt vor unseren Füßen eine glatte Oberfläche aus klarem, kühlen Nass.

An der letzten Lagune wurden wir schließlich von der ersten Tourgruppe überholt. So konnten wir erst einmal aus sicherer Entfernung beobachten, wie es ist, sich ins das kühle Nass gleiten zu lassen und in dieser surrealen Umgebung auf dem Wasser zu treiben. Das konnten wir uns dann doch nicht entgehen lassen und mussten selbst testen, wie viel Körpergewicht die glatte Oberfläche tragen konnte. So etwas absurd Schönes hatten wir auf dieser Reise noch nicht erlebt: Mit dem Blick in den azurblauen Himmel glitten wir wie Federn über das intensiv salzige Wasser. Aber irgendwann täuschte unsere Aufregung dann doch nicht mehr über den stechend kalten Wind hinweg. So schnell wir über die salzige Oberfläche laufen konnten, ging es dann zurück in Richtung Wagen und der erlösenden Dusche. Das Salz hatte sich mittlerweile an jedem einzelnen Quadratzentimeter Körper festgesetzt. Aber wie das in einer Wüste eben so ist, Wasser gibt es da nicht wie Sand am Meer und so waren die rettenden Duschkanister natürlich leer. Glücklicherweise war der Lastwagen mit Wasserlieferung jedoch nicht weit und so konnten wir uns salzlos und voller schöner Erlebnisse in unserem Mietwagen zurück in Richtung San Pedro begeben.

Atacama Roadtrip Tag 2: Höhenluft Schnuppern im Valle de Arcoiris

Aber ganz zurück in die Zivilisation wollten wir dann doch nicht, immerhin stand ein Abenteuer-Roadtrip auf unserem Plan. Und so machten wir mit Hilfe von iOverlander unseren Wüsten-Zeltplatz für die Nacht aus. Zwischen alten Bäumen und ein paar Büschen standen wir auf weichstem Sand im Mondlicht. So hatten wir uns das vorgestellt. Am nächsten Morgen wurden wir dann von einer ziemlich merkwürdigen Geräuchkulisse geweckt – direkt neben uns starteten im Morgengrauen zwei Heißluftballons in die Höhenluft. Nach Frühstück, Zusammenpacken und Einkauf in San Pedro konnten wir mit unserem Akklimatisierungs-Roadtrip fortfahren. Nachdem wir uns so langsam und problemlos auf 2.500m eingegroovt hatten, wollten wir die 3.000m-Grenze überqueren.

Allein die Fahrt ins Regenbogental war mal wieder ein Erlebnis. An den vielen beeindruckenden Ausblicken auf die fernen Bergketten, die unendliche Weite und immer wieder Vicuñas konnten wir uns gar nicht satt sehen. Nach eineinhalb Stunden fuhren wir dann über einen ziemlich holprigen Weg in das Valle de Arcoiris ein. Rechts und links von uns erhoben sich steinige Berge in allen Farben des Regenbogens. Schnell stellten wir das Auto in dem weiten Tal ab und machten uns auf Entdeckungstour durch das einsame Gebiet. Auf 3.500m Höhe beinhaltet so eine Entdeckungstour allerdings eher einen äußerst ruhigen Spaziergang. Und so schlenderten wir zwischen den farbigen Hügeln umher und mussten feststellen: So schlecht bekommt uns die Höhe gar nicht. Als dann wieder einmal die ersten Touren auftauchten, konnten wir uns also unserem Höhenessen widmen und in der wunderschönen Umgebung ein paar Avocadobrote genießen.

Um unsere Körper auch nachhaltig an ein bisschen weniger Druck in der Luft zu gewöhnen, brauchten wir einen Übernachtungsplatz, der ein bisschen höher als der Letzte, aber definitiv niedriger als das Valle de Arcoiris liegt. Nach kurzer Konsultation von iOverlander hatten wir unser Übernachtungsziel gefunden: Das Kaktustal. Ein paar Anfahrtsschwierigkeiten später standen wir dann endlich am Eingang zu einem schmalen Tal, in dem rund um ein ausgetrocknetes Flussbett hunderte riesiger Kakteen wuchsen. Auf einer natürlichen Plattform hatten wir den perfekten Platz für unsere Zelte gefunden. Von dort aus konnten wir bei bitterer Wüstenkälte den berühmt-berüchtigten Atacama-Sternenhimmel bewundern.

Atacama Roadtrip Tag 3: Valle de la Muerte und Valle de la Luna

Nach unserem ausführlichen Frühstücksritual am nächsten Morgen erkundeten wir noch ein wenig das Kaktustal und machten uns dann auf den Rückweg in die Zivilisation – in San Pedro de Atacama hieß es für uns erstmal einkaufen, Zelt aufbauen, Sandboard ausleihen und ab ins nahe gelegene Valle de la Muerte. Nur wenige Kilometer von der Wüstenoase entfernt durchquerten wir mit unserem Wagen enge Gassen zwischen meterhohen Sandsteinen, bevor wir unser eigentliches Ziel erreicht hatten: direkt vor uns stieg eine riesige Sanddüne in die Höhe. In der drückenden Wüstenhitze quälten sich bereits ein paar Menschen den Sandhaufen hinauf, um gleich danach mit umfunktionierten Snowboards wieder runter zu rauschen. Gut, dass wir auch ein paar Bretter dabei hatten und so konnte immer einer nach dem anderen das heiße Abenteuer starten. Ziemlich bald machten sich dann jedoch der fehlende Luftdruck, die Hitze, die Sonne und der fiese Sand bemerkbar. Erschöpft aber zufrieden lieferten wir die Sandboards wieder im Dorf ab und machten uns schließlich auf zum viel beschworenen Highlight der Region: dem Sonnenuntergang im Valle de la Luna.

Wir könnten jetzt viele Worte über vermeintliche Reisehighlights verlieren, über Hypes und Menschenmassen und dass wir natürlich auch selbst Teil dieser vernichtenden Menschenmassen sind. Am Ende bleibt aber eigentlich nur: Wir haben schon schönere Sonnenuntergänge gesehen. Die Landschaft war einmalig, allerdings hatten wir die Absurdität des Mondtales schon zwei Tage zuvor von einem einsameren Aussichtspunkt aus genossen. Auch wenn wir grundsätzlich große Verfechter davon sind, dass Highlights meistens auch nicht ganz unbegründet Highlights sind, war unser Abend im Valle de la Luna dann doch ein Beweis dafür, dass man manche Highlights nicht einfach ohne Recherche in den eigenen Reiseplan übernehmen sollte.

Atacama Roadtrip Tag 4: Die große Unentschlossenheit und die Laguna Chaxa

Was am nächsten Morgen folgte, war die die größte Unentschlossenheit unserer Reisegeschichte: Auf über 4.300m liegt das Geysirfeld des Vulkans El Tatio. Laut vielen Reiseberichten und Reiseführern eines DER Highlights der Region. Einziges Problem: das Geysirfeld ist aufgrund der Temperatur- und Druckunterschiede nur morgens zwischen sieben und zehn Uhr aktiv. Das heißt, der Besuch fordert entweder eine zwei- bis dreistündige Anfahrt in der absoluten Dunkelheit des Altiplanos über schlechte Pisten und einige Furten oder eine Nacht in der Höhe und bei Temperaturen von bis zu -15°C. Beides klang nicht gerade verlockend und nach ewig langem Hin und Her, vielen Nachfragen und noch mehr abratenden Hinweisen trafen wir dann endlich die Entscheidung, das vermeintliche Highlight von unserer Roadtrip-Liste zu streichen.

Was blieb, waren eineinhalb Tage, die wir mit neuen Abenteuerplänen und weiterer Akklimatisierung füllen mussten. Da zwischenzeitlich der Nachmittag erreicht war, brachen wir in Richtung Süden auf zur Laguna Chaxa, um dort die verbleibenden Flamingos der Saison in der Salar de Atacama zu beobachten. In der Salzpfanne drückte die Hitze nur so auf uns und so langsam aber sicher bewegte sich auch die Sonne gen Horizont. Um unserem Ausflugsziel für den nächsten Tag schon ein gutes Stück näher zu kommen, entschieden wir uns, der einsamen Straße in Richtung Süden weiter zu folgen und einige Höhenmeter weiter eine zweite Akklimatisierungsnacht unterm Sternenhimmel zu verbringen.

Immer einsamer wurde die Straße, zu unserer Rechten die unendliche Weite der Salar de Atacama, eine Fläche, so weit wir schauen konnten, voller Nichts. Zu unserer Linken weite Flächen, die sich zu den zahlreichen Vulkanen der Region hinaufzogen. Irgendwann – ein letzter kleiner Ort, zu beiden Seiten der Straße breitete sich zwischenzeitlich satte Altiplano-Begrünung aus. Noch eine letzte Kurve in dieser absoluten Einsamkeit auf 3.600m und schon tauchte unser per iOverlander auserwählter Zeltplatz auf. Zu unserer Überraschung stand bereits ein Wohnmobil dort. Als wir näherkamen, erkannten wir, dass wir mit dem älteren Pärchen darin vielleicht doch ein paar Gemeinsamkeiten hatten: das deutsche Kennzeichen verrät uns, dass die beiden aus dem beschaulichen Westerwald ins Altiplano gereist sind.

Atacama Roadtrip Tag 5: Piedras Rojas und das Altiplano

Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang umgeben von Vulkankegeln, einer bitterkalten Nacht und einem wärmenden Kaffee brachen wir zum letzten Ziel unseres Atacama Roadtrips auf: Piedras Rojas. Doch bevor wir die Salzebene erreichten, besuchten wir zwei Altiplano-Lagunen, die an Schönheit kaum zu überbieten waren. Auf über 4.000m blicken wir auf die spiegelglatte Oberläche und sehen die umliegenden schneebdeckten Gipfel umgeben vom klarsten Blau. Als Tüpfelchen auf dem i lief kurz vor unserer Weiterfahrt ein einzelnes Vicuña vor diese atemberaubende Kulisse. Ein grandioser Beginn unseres Tages auf über 4.000m Höhe.

Als wir wieder im Auto saßen, hieß es fahren, fahren, fahren. Aber im Altiplano wird auch das einfach nicht langweilig. Eine Vicuña Herde nach der anderen zog durch unseren Ausblick und die vielen Vulkankegel und Berge ringsum taten ihr Übriges um uns die Fahrt so angenehm wie möglich zu machen. Und dann war da noch die beeindruckende Einsamkeit der Straße – wenn nicht gerade wieder ein Tourbus durch die Landschaft zog. Nach einer letzten Kurve breitete sich dann unser bildschönes Tagesziel vor uns aus: Piedras Rojas. Rote Berge ergießen sich in ein weites Tal, in dem sich türkisfarbene Seen durch salzige Ebenen winden. Nach den grünen Ebenen und schneebedeckten Gipfeln der letzten Kilometer war das ein völlig unerwartetes Bild für uns. Wir umrundeten das Tal zur Hälfte und hatten den perfekten Lunch-Spot gefunden: Am Rande des Sees, mit einer Herde Vicuñas im Blick, genossen wir weit entfernt von den vielen Tourbussen, die Piedras Rojas natürlich auch als Wahnsinnsziel erkannt hatten, unsere Tütensuppen.

Damit war unser Atacama Roadtrip auch schon fast vorüber. Nach einer langen Fahrt zurück nach San Pedro de Atacama stockten wir unsere Vorräte ein letztes Mal auf, bezogen unseren bereits getesteten Zeltplatz im Kaktustal und verbrachten eine letzte Nacht in der Einsamkeit der Wüste, bevor wir unseren Wagen am nächsten Tag zurück nach Calama brachten und uns auf unser nächstes Abenteuer vorbereiteten.

Atacama Roadtrip: Tipps und Tricks

Wir haben uns einen Allradwagen über Sunnycars angemietet. Ein 4WD hat sich für unseren Roadtrip als goldrichtig herausgestellt. Billig ist der Spaß natürlich nicht, aber wenn du, so wie wir, das Auto mit fünf Leuten voll machen kannst und ihr euch die Kosten teilt, kommst du nicht sehr viel teurer und dafür deutlich individueller als mit diversen Touren ab San Pedro de Atacama.

Wir hatten überhaupt keine Probleme damit, Stellplätze für die Nacht zu finden. Wie bereits in Portugal haben wir dafür die iOverlander-App verwendet. Für uns war es allerdings auch ziemlich praktisch, zwischendurch mal eine Nacht in San Pedro zu verbringen. Eine Dusche und neue Essensvorräte haben ja noch niemandem geschadet. Das Oasenörtchen ist extrem teuer, daher schwören wir nach mehr als einer Woche in der Umgebung auf die Casa Campestre: Freundliche und extrem hilfsbereite Mitarbeiter, eine entspannte Atmosphäre, saubere Sanitäranlagen und eine tolle Küche zu einem für San Pedro ziemlich niedrigem Preis. Dafür haben wir sehr gern ein paar Meter mehr vom Ortsrand in das Zentrum auf uns genommen.

Neben der Übernachtung ist auch die Ernährung in San Pedro de Atacama nicht unbedingt günstig. Wir haben uns daher einen Grundstock an Nahrungsmitteln in Calama zugelegt und den mit frischen Lebensmitteln auf einem kleinen Markt am Friedhof von San Pedro aufgestockt. Daneben haben wir nach mehreren Monaten Reise fast täglich extrem gutes Brot aus der Franchuteria genossen.

Wenn du, so wie wir, eine Jeep-Tour nach Bolivien planst, solltest du in San Pedro de Atacama genügend Zeit zur Akklimatisierung einplanen. Der Grenzübergang nach Bolivien liegt auf 4.400m Höhe und bietet damit genügend Möglichkeiten für die Höhenkrankheit. Nach unserem Atacama Roadtrip mit zwei Nächten auf über 3.000m Höhe und weiteren Höhenausflügen haben wir keinerlei Probleme verspürt.

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