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Britische Jungferninseln: Günstig dekadent

Jost van Dyke

Das halbe Jahr 2013 in unserer Männer-WG war vergangen. Gefühlt der halbe Studiengang hatte bereits ein Praktikum im Ausland in der Tasche und reizte unsere sensible Reiseseele. Am Abendbrotstisch haben wir dann eher scherzhaft die Karibik ins Spiel gebracht. Ich hab dann „Hospital Carribean“ gegoogelt und alle Krankenhäuser angeschrieben, die da so auftauchten. 40 oder 50. Dann gingen ein paar Tage ins Land. Zunächst kam eine Zusage für Jamaika, wo für den Monat allein 1.500 Euro Studiengebühren anfielen. Und dann kam die Zusage aus dem „lila Palast„, wie die Einheimischen das kleine Privatkrankenhaus nennen. Wo ist das? Britische Jungferninseln. Nie gehört. Ich auch nicht.

Britische Jungferninseln

Also wieder zu Google. 60 Inseln östlich von Puerto Rico, Staatsoberhaupt ist die Queen, 30.000 Einwohner. Kann nicht so schlecht sein. Nachdem wir die Bilder gesehen haben, mussten wir uns erstmal kurz kneifen. Sollen wir da wirklich hinfahren? Das Wochenende darauf war der Flug gebucht. 800 Euro mit der Condor von Frankfurt/Main nach San Juan in Puerto Rico. Von dort aus hat uns die Crew von Seabourne Airlines mit ihrem kleinen, 30 Personen fassenden Propellerflugzeug für 300 Euro ins Paradies geflogen. Am Einreiseschalter würdigte mich die grimmige Dame keines Blickes. Mein freundliches „Wie geht’s heute?“ ließ sie komplett umkommentiert und zeigte auf ein eine Art Raum, der einem aus amerikanischen Serien bekannt vorkommt. Ein offenes Fenster zum Großraumbüro, Jalousien inklusive und drinnen ein paar untersetzte „Cops“. Das blühe wohl jedem, der bei der Einreise keine genaue Adresse für seine Bleibe benennen kann. Wenn Sie raus in die Wartehalle gehen, steht da eine dicke Dame namens Monalisa. Die weiß wo wir hier unterkommen. Die beherbergt uns.

Wie mich die BVI zum Couchsurfer gemacht haben

Für diesen Teil der Geschichte müssen wir nochmal zwei Wochen zurück. Erik und ich hatten bei der Begutachtung unserer Schnorchel festgestellt, dass wir ja gar keine Unterkunft hatten. Erste Recherchen im Internet ergaben bestenfalls 40 Euro pro Nacht. Das hieße dann sein eigenes Zelt am Strand in Trellis Bay im Kitchen Cybercafé and Bordsailing aufzustellen. Nach oben gibt es auf einer zu einem beträchtlichen Teil von alten reichen Engländern und Amerikanern bewohnten Insel wie Tortola übrigens keine preisliche Grenze. Also hab ich mich bei Couchsurfing angemeldet. 54 Hosts, 5 innerhalb des letzten Monats mal auf der Seite gewesen. Aktuell sind es übrigens jeweils doppelt so viele. Unter ihnen war Monalisa, 27 Jahre, Vollblutjamaikanerin. Sie wollte nur 150 Euro pro Person den ganzen Monat, inklusive Autobenutzung, Zimmer, der Tage an denen sie uns bekocht hat und ihrer unbezahlbaren Freundschaft. Ihre erste Amtshandlung als unsere BigMama war uns aus diesem Einwanderungsbüro rauszuboxen. Mit K.O. aller (!) Beteiligten, versteht sich. Dann gab es DAS tortolianische Gericht Reis mit Bohnen und viel zu scharfem Hühnchen als Begrüßungsessen. Man sollte sich lieber stärken für die gratis Inselrundfahrt am nächsten Tag.

Trunk Bay BVI

Ein Leben im BVI-Style

So kamen wir das erste Mal nach Road Town, der Hauptstadt von Tortola. Ein nettes kleines karibisches Städtchen mit bunten Holzhütten, einem Hafen, in dem sich die großen Kreuzfahrtschiffe dieser Welt tummeln und viel zu gutem Kaffee. In Road Town haben wir dann einen Monat in besagtem Krankenhaus gearbeitet, Meerblick beim Operieren, versteht sich. Morgens sind wir dort samt Schnorchelset und Badehose aufgeschlagen, um nach Dienstschluss auf die nächste Pickup-Ladefläche zu springen und an Trunk Bay, Long Bay, Smugglers Cove oder irgendeinem anderen samtigen, von grünen Palmen umsäumten Strand der Insel zu gelangen. Trampen ist auf den Britischen Jungferninseln kein Problem, einfach den Finger raushalten und nett grüßen. Die Leute nehmen einen gern mit um etwas über einen zu erfahren oder den neusten Inseltratsch mitzubekommen. Mein Tipp: bevor man einsteigt mal auf die Ladeflächen schauen. Einmal war die so voll, dass ich mich auf ein altes Keramikklo setzen musste und mein Mitstreiter sogar auf dem Fahrerhäuschen platznahm.

Bougainvillea Clinic BVI

Man muss nicht alle Jungfrauen besuchen, die „Dicke“ aber schon…

Am Wochenende sind wir dann mit der Fähre die umliegenden Inseln abgetourt. Das kostet je nach Ziel zwischen 15 und 25 Dollar hin und wieder zurück. Die Perle der Britischen Jungferninseln ist mit Sicherheit Virgin Gorda, die „dicke Jungfrau“ mit ihrem bezaubernden The Baths National Park am südlichsten Punkt der Insel. Wer sich dort das geologische Wunderwerk der Granitfelsen am Strand entgehen lässt, kann unmöglich behaupten auf den Britischen Jungferninseln gewesen zu sein. Ein weiterer Ausflug ging nach Jost van Dyke, einer ebenfalls malerischen Insel. Jost ist nach einem Piraten benannt, der dort einst aufschlug. Wer am Strand von White Bay durch das azurblaue Wasser stapft, kann weiter oben noch einige Hütten im Piratenstil sehen, in denen sich Leute wie einst van Dyke den auf den Britischen Jungferninseln hergestellten Rum der Royal Navi schmecken lassen. Einen hohen Spaßfaktor hat auch ein Tagesausflug auf das im Gegensatz zu anderen Inseln sehr flache Anegada. Dort kann man sich für wenig Geld einen Roller mieten und von Strand zu Strand tingeln und die malerischsten Strände der Britischen Jungferninseln genießen.

The Baths National Park

Kleines Budget? Kein Problem!

Die Jungferninseln sind ein Geheimtipp. Wer sich informiert, scheut meist vor den saftigen Unterkunftspreisen und der aus Deutschland nicht gegebenen Direktverbindung zurück. Das solltest du unbedingt vermeiden! Die Britischen Jungferninseln sind eine Reise wert. Es ist schwer dir den einen Ort oder die eine Person zu nennen, welche die Reise erschwinglich machen. Wir haben eine dieser Möglichkeiten gefunden. Aber es gibt auf alle Fälle noch viele mehr! Ganz nebenbei haben wir von der Lufthansa 600 Euro Entschädigung bekommen. Lufthansa hatte aufgrund eines defekten Höhenmessers von Leipzig nach Frankfurt unsere Weiterreise nach Puerto Rico vermasselt. Wir kamen einen Tag später in Tortola an. Dafür hatten wir aber einen Zwischenstopp in New York City. Aber das ist eine andere Geschichte. Was ich mit dem Geld gemacht habe? Meine Freunde auf Tortola besucht.

Tortola Sunset

Welche Karibikperlen kannst du empfehlen? Funktionieren die auch ohne Vermögen auf dem Schweizer Nummernkonto? 

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