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Sapzurro – Entspannung in der Darién Gap

Hast du schon mal was von der Darién-Gap gehört? Nein? Die Panamericana kennst du aber bestimmt. Eine einzige Straße, die von Alaska bis nach Feuerland über den gesamten amerikanischen Kontinent führt. Durchfahren kannst du die Strecke aber trotzdem nicht. Im Grenzgebiet zwischen Panama und Kolumbien fehlen rund 100 Kilometer Strecke. Stattdessen gibt es undurchdringlichen Dschungel, indigene Völker, Paramilitärs und Drogenschmuggel. Das Auswärtige Amt rät dringend davon ab, sich in der Region aufzuhalten. Wir haben es trotzdem gewagt.

Sapzurro – Wo ist der Karibikstrand?

Sind wir auf einmal verrückt geworden? Ist uns das Reisen zu Kopf gestiegen? Haben wir unseren gesunden Menschenverstand verloren? Natürlich nicht. Abenteuerlustig sind wir ja, aber lebensmüde? Sicher nicht. Trotzdem hat der Hinweis im Reiseführer auf das Örtchen „Sapzurro“ definitiv unsere Neugier geweckt. Wie wir am Ende dort tatsächlich gelandet sind, ist aber eine etwas längere Geschichte.

Nach fast sechs Monaten in Südamerika war unsere ursprünglich angedachte Weltreiseroute natürlich völlig dahin. Am Ende haben wir doppelt so viel Zeit auf dem bunten Kontinent verbracht, wie in unserer Budgetplanung gedacht. Genau das war natürlich auch einer der Gründe, warum es uns auf Weltreise gezogen hat. Keine Pläne, keine Verpflichtungen, keine Termine sondern nur auf unser Herz hören. Also stand schon bei unserer Einreise nach Kolumbien für uns mehr oder weniger fest, dass wir Kuba und die Britischen Jungferninseln auslassen würden. Aber so ganz ohne Karibikstrände wollten wir unsere sechs Wander- und Kältemonate dann doch nicht zu Ende bringen.

Sapzurro – Die lange Suche nach dem perfekten Strand

Also begann für uns nach mehr als drei Wochen Inland-Kolumbien die Suche nach dem besten kolumbianischen Karibikstrand. Besonders eine Region ist uns dabei immer wieder zu Ohren gekommen: Der Tayrona Nationalpark. Damit stand dann auch unser erstes Ziel fest und wir haben uns für 16 Stunden in den Bus von Bogotá nach Santa Marta gesetzt. Was uns dort erwartete? Amerikanisierung, Partytouristen und schlechtes Wetter. Irgendwie nicht so ganz das, was wir uns vorgestellt hatten. Auch wenn uns das viele ungläubige Blicke eingebracht hat, haben wir den berühmten Nationalpark mit den angeblich schönsten Stränden des Landes ausgelassen. Neben dem schönsten Strand suchten wir nämlich vor allem eins: Ruhe und Entspannung (wir Rentner…).

So saßen wir wieder einmal einen ganzen Tag im Bus. Wohin der uns diesmal brachte? Nach Tolú, irgendwo westlich von Cartagena. Der kleine Ort hatte definitiv eines zu bieten: Ruhe. So hatten wir uns das vorgestellt: Wir wurden mit dem Fahrradtaxi vom Busterminal abgeholt, hatten ein Zimmer mit privater Hängematte und waren im besten Restaurant des Ortes die einzigen Gäste. Am nächsten Tag stand dann natürlich Stranderkundung auf dem Plan. Da mussten wir dann leider erkennen, dass wir wahrscheinlich immer noch nicht am Ziel angekommen waren. Dreckige Strände, Bauruinen und – natürlich – schlechtes Wetter stürzten uns mal wieder in eine kleine Strandkrise. Also weiter Richtung Westen. Der Reiseführer hatte nämlich ganz am Ende des Karibikkapitels noch auf einer kleinen Seite zwei Orte erwähnt, die unsere Neugier weckten: Capurganá und Sapzurro. Die Anreise sollte ein wenig beschwerlicher sein, versprach außerhalb der kolumbianischen Ferienzeit aber auch etwas mehr Einsamkeit.

Sapzurro – Ankunft im Karibik-Klischee

Nach einem weiteren Tag im Bus und einer kurzen Nacht standen wir im nächsten Morgengrauen am „Hafen“ von Necoclí. Der Bestand lediglich aus einem kurzen und ziemlich wackelig aussehenden Steg ins raue Meer und einer kleinen Hütte davor. Beim Anblick der Boote wurde uns dann auch schnell klar, warum man einen großen Plastiksack für all sein Gepäck kaufen sollte. Keine halbe Stunde später hatten die Drogenhunde unser Gepäck kontrolliert, waren alle Gepäckstücke verstaut und jeder Passagier mit einer Rettungsweste ausgestattet und wir brausten durch den Golf von Urabá. Irgendwann tauchte am Horizont ein grüner Streifen auf und wurde größer und größer. Das Festland war wieder in Sichtweite und nach 1,5 Stunden wilder Schifffahrt bogen wir in den Hafen von Capurganá ein. Mit einem Blick über die Reling in das kristallklare Wasser, auf den entspannten karibischen Hafen mit – natürlich- Raggae-Musik und das undurchdringliche grüne Hinterland war uns klar: Das hier kommt unserer absurden Vorstellung doch ziemlich nah.

Ganz an unserem Ziel angekommen waren wir aber noch nicht, sodass wir uns noch einmal für 15 Minuten in ein Langboot setzten und in die nächste Bucht in das noch kleinere Örtchen Sapzurro fuhren. Schon beim ersten Blick in das perfekt geformte Meeresbecken mit den bunten Booten und kleinen Häusern vor einer atemberaubenden Urwaldkulisse wussten wir, dass wir unser Ziel erreicht hatten. Und so setzten wir die ersten Schritte auf einer wackeligen Holzbrücke mitten ins Paradies.

Sapzurro – Paradiesstrände an jeder Ecke

Auch wenn die Anreise in den kleinen Ort nicht gerade unbeschwerlich ist und es sicherlich größere und noch türkisere Strände gibt, werden die kleinen Gassen zur Ferienzeit von Kolumbianern übervölkert. Einen kleinen Vorgeschmack haben wir gleich an unseren ersten beiden Tagen erhalten, als ein Feiertag das Wochenende verlängerte und jedes Bett und jeder Quadratzentimeter Strand voll waren. Von der langen Strandsuche gestresst hat uns das aber erst einmal gar nichts ausgemacht und wir haben lediglich die Hängematten unserer Unterkunft zwischen ganz viel Grün mit Ausblick aufs Meer genossen, geschlafen, gelesen, die Seele baumeln lassen und zumindest ansatzweise damit begonnen, die vielen Eindrücke aus sechs Monaten in Südamerika zu verarbeiten.

Und zwei Tage später hatten wir dann all die wunderschönen Strände (fast) für uns allein. Von den insgesamt ca. zehn Touristen im Ort kannten wir mittlerweile jeden einzelnen. Wie soll man das auch vermeiden, wenn im ganzen Ort nur eine einzige „Bar“ (bzw. ein Minimarkt am Hafen mit Plastikstühlen davor) geöffnet hat. Unsere persönliche Eisversorgung zwischen 06.00 Uhr und 23.00 Uhr war durch Chíla mit gefrorener Kokosnussmilch ohne jegliche Zusatzstoffe (außer vielleicht ein wenig Kaffee) sichergestellt. Wir wussten, wo es das beste Essen gab, wo die schönsten Schnorchelgründe warteten, wo wir den leckersten Cocoloco bestellen konnten und wann üblicherweise ein Gewitter über den Ort zog (jeden zweiten Abend). So ging ein entspannter Tag in den anderen über und nach einer Woche fühlten wir uns fast schon ein wenig heimisch.

Sapzurro – Und dann noch schnell nach Panama

Ein Highlight zwischen all der Entspannung haben wir dir aber noch verschwiegen: nur wenige hundert Meter Luftlinie von Sapzurro entfernt findest du den schönsten Strand der ganzen Region: La Miel. Bedeutet übersetzt übrigens Honig und genau diese goldene Farbe hat der von Palmen und türkisfarbenem Meer umgebene Sandstrand. Um an den Traumstrand zu gelangen, musst du dich in der feuchten Karibikhitze ein paar Meter den grünen Hügel hinaufquälen und – nach Panama einreisen. Der Strand liegt nämlich tatsächlich nicht mehr auf kolumbianischem, sondern auf panamaischem Staatsgebiet. Aber keine Sorge, du brauchst weder Visum noch Geld, sondern lediglich deinen Reisepass um deine Daten von den Grenzsoldaten mit dem wahrscheinlich besten Ausblick der Welt in eine Liste eintragen zu lassen. Auf der anderen Seite des Hügels erwartet dich dann Karibikidylle pur: ein wunderschöner Strand, kaum Menschen (zumindest, wenn du wie wir in der Nebensaison kommst), kristallklares Wasser, auf dem bunte Langboote dümpeln und viele bunte Holzhäuschen, die für mehr oder weniger passende Raggaebeschallung und dein kulinarisches Wohl sorgen.

Und? Siehst du dieses kleine Paradies gerade vor dir? Dann weißt du ganz bestimmt auch, warum wir uns erst nach elf Tagen schweren Herzens und mit einem fest gebuchten Flug im Nacken ins Boot zurück in die Zivilisation setzen konnten. Die Rückfahrt holte uns dank meterhoher Wellen, seekranker Kolumbianer und einem kaputten Motor dann auch ganz schnell zurück in die Realität.

Sapzurro – Wie gefährlich war es dort?

Von Gefahr und Drogenkriminalität haben wir übrigens so gut wie nichts gespürt. Gerade als Tourist kannst du in Sapzurro wunderbar in einer völlig surrealen Urlaubsblase leben. Unterhältst du dich jedoch mit Einheimischen, stellst du schnell fest, wie es sich außerhalb dieser Blasen lebt. Das Dorf ist bis auf den Bootsverkehr völlig abgeschnitten vom Rest des Landes. Keinen Fuß solltest du außerhalb der beiden Wege nach La Miel und nach Capurganá setzen. Und von nächtlichen Touren aufs Meer zur Planktonbeobachtung wurde uns gänzlich abgeraten. Ob wir den Geschichten von den vorm Ort kreuzenden U-Booten mit Drogenfracht tatsächlich glauben sollten, wissen wir nicht. Am Ende können wir jedoch mit Sicherheit sagen, dass man mitten in einer der gefährlichsten Gegenden Amerikas als Tourist (und nur als Tourist) eine ziemlich gute, sichere und unbehelligte Zeit verbringen kann.

Sapzurro – Anreise

Du hast drei verschiedene Möglichkeiten, um nach Sapzurro zu kommen: Täglich gibt es eine Flugverbindung zwischen Medellín und Acandí, am Flughafen warten Pferdekutschen, die dich zum Hafen bringen und dort steigst du in ein Boot nach Capurganá (oder wenn du Glück hast, direkt nach Sapzurro). Wenn du „über Land“ anreisen möchtest, kannst du entweder von Necoclí oder Turbo das einmal täglich verkehrende Boot nach Capurganá nehmen, die Überfahrt ist sehr rau und dauert ca. 1,5 bzw. 2 Stunden. In Capurganá warten diverse Langboote darauf, dich in ca. 15 Minuten in die nächste Bucht nach Sapzurro zu schippern.

Sapzurro – Die beste Unterkunft

In Sapzurro haben sind wir ohne Reservierung angereist und haben uns fast alle Unterkünfte selbst angeschaut. Und ja, es gibt tatsächlich so einige für die unterschiedlichsten Preisklassen. Unsere absolute Lieblingsunterkunft in Sapzurro war die Hospedaje Zingara. Das Häuschen bietet zwei Zimmer mit Balkon, die beide wunderschön sind. Solltest du die Wahl haben, schnapp dir das obere Zimmer, von dort hast du einen traumhaften Blick über Sapzurro und die blaue Bucht. Das eigentliche Highlight neben den hübschen Zimmern und dem leckeren Frühstück ist definitiv die Besitzerin. Auf unserer ganzen Weltreise haben wir uns in kaum einer Unterkunft so zu Hause gefühlt wie bei ihr.

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