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Drei Gründe, warum Couchsurfing rockt

Couchsurfing BVI

Ihr surft auf einer Couch im Meer oder wie muss man sich das vorstellen?“ hat mich Larry gefragt, während ich mit Taucherbrille und Schnorchel bewaffnet einem Freund im Hafen von Road Town half, sein Segelboot „Diva“ für die anstehende Frühjahrsregatta fit zu machen. Larry ist knapp 60, Amerikaner und verbringt die Hälfte des Jahres in seinem Haus in Australien. Den Rest der Zeit wohnt er mit seiner Frau auf seinem Boot in eben jenem Hafen. Ich habe Larry dann erklärt wie das mit Couchsurfing so läuft: 

Du fragst an, ob jemand an den von dir bevorzugten Daten Zeit hat, verbringst deine Zeit mit dem Host, schläfst dort kostenlos, schließt Freundschaften und lässt eine Bewertung auf dem Profil deines Hosts. So ungefährt.

Das sind die drei Gründe, warum Larry (genau wie ihr) zum Couchsurfer werden sollte:

1 Money, Money, Money

Während ich Larry die Fragezeichen auf die Stirn trieb, waren meine Isomatte und mein Schlafsack gerade bei der ersten Person, deren Couch ich je gesurft habe. Monalisa, 27, Vollblutjamaikanerin. Einige Zeit zuvor hatten mein Kumpel und ich die Idee mal für einen Monat in einem karibischen Krankenhaus zu arbeiten. Krankenhaus gesucht, Flüge gebucht, alles kein Problem. Zwei Wochen vor Reiseantritt fiel uns dann auf, dass unter 45 Euro pro Nacht auf den Britischen Jungferninseln niemand ein Dach über dem Kopf hat, ohne Frühstück versteht sich. Um dem finanziellen Ruin spätestens am 5. Tag unserer Reise vorzubeugen, schrieben wir notgedrungen Couchsurfing-Anfragen an sämtliche Leute auf ganz Tortola. Und so landeten wir für einen Monat im verrückten Leben von Mona, die für uns kochte, deren Auto wir einfach so benutzen durften und die uns benachbarte Inseln zeigte. Bezahlt haben wir am Ende 100 Euro, weil wir drauf bestanden ein paar Nebenkosten auszugleichen und nicht, weil wir darum gebeten wurden…

 

2 Der Überraschungseffekt

„Wir haben für heute Abend einen Host!“ ist einer der Sätze, die ich auf Trips am liebsten sage oder höre. Doch obwohl man ein paar Informationen auf der Profilseite des Hosts über ihn selbst und dessen Couch erhält, gibt es da die unterschiedlichsten Kombinationen.

Eine junge Frau in den japanischen Alpen hatte keine einzige Information auf ihrem Couchsurfing-Profil, aber 34 positive Bewertungen. Warum? Hiromi spricht kein Englisch. Sie scheint auch nicht zu wissen, wie man Couchsurfing-Anfragen ablehnt, denn sie hat das Maisonette ihres hippen Cafés mit Couchsurfern vollbelegt. Echtes Jugendherbergsfeeling. Ihr Profil haben wir dann für sie ausgefüllt. Die nächsten Surfer werden nicht mehr stundenlang durch Takayama schlendern und nach Hausnummer 34 suchen, die einem Hiromi per Google Standort zukommen lässt. Ihr Café taugt besser als Landmark…

Couchsurfing New Yerk

Jennifer in Chelsea, NYC hatte unsere Anfrage von Freitag bis Sonntag akzeptiert. Dort angekommen drückt sie uns nur schnell ein paar Schlüssel in die Hand, zeigt uns den Weg zum Rooftop und sagt, sie sei dann am Sonntag wieder zurück. Bei Fragen hätten wir ja ihre Nummer oder wir fragen einfach den Hauswächter am Eingang. Vom Dach aus hatten wir einen perfekten Blick auf das Empire State Building und die New Yorker Skyline. Da kann man schon mal ein kühles Fosters an der Dachkamera vorbeischmuggeln und die Aussicht genießen. Cheers!

Berkley Couchsurfing

Auch der Schlafplatz variiert ziemlich stark. Debbie in Berkeley, Kalifornien hat uns die noch nicht ausgebaute Hälfte ihres Zweifamilienhauses zur Verfügung gestellt. In der Dusche gab es warmes Wasser und wir hatten zwei bequeme Matratzen. Mit dem Wifi war es dort so eine Sache, weil der Router ja in ihrer Hälfte des Hauses stand und das ein Stück entfernt war.

Vollen Empfang gab es hingegen bei James, bei dem wir in San Francisco übernachteten. Als wir seine 15 Quadratmeter Wohnung betraten, dachten wir, dass er uns unseren Raum jeden Moment zeigt. Eine halbe Stunde später war uns dann klar, dass hinter den Türen nur ein paar Wandschränke versteckt waren. Wer nachts auf Toilette wollte, musste wohl oder übel über die anderen drübersteigen. Nach dieser Nacht wissen wir jetzt wirklich, was es mit der Wohnungsnot in San Francisco so auf sich hat. Wer solche Erkenntnisse jedoch nicht am eigenen Leib machen will, sollte lieber ins Hotel gehen.

3 Die Menschen

Die finanziellen Vorteile sind das eine, die Freundschaften die man schließt, sind der langfristige Vorteil. Mit Monalisa stehe ich immer noch regelmäßig in Kontakt. Man trifft allerdings auch ein paar „originellere“ Typen: Leanne aus Kingman, Arizona war eine echte Klischeeepublikanerin. Sie hält Obama für einen Illegalen und hat uns gleich zu Beginn den Schlüssel zum Waffenschrank gezeigt, der vom Geiste ihres vierten und letzten Ehemannes öfters mal an einen anderen Ort gehangen werde. Luigi, ihr kleiner Hund, muss sich das alles leider jeden Tag anhören und bekommt schon mal das ein oder andere Stück Pizza dazu. In dem gruseligen Zimmer voller Puppen haben wir kaum ein Auge zu bekommen, aber die Geschichte erzählen wir jetzt immer wieder gern.

Couchsurfing Oman

Hamed aus Muskat im Oman hat uns behandelt wie seine eigene Familie. Er bestand darauf, jedes Essen zu bezahlen, hätte uns auch das gesamte Land persönlich gezeigt und gab uns sogar seinen Wohnungsschlüssel. Ein perfektes Beispiel für die arabische Gastfreundschaft und ein absoluter Traumhost. Wir haben in den Tagen bei ihm so viel über die omanische Kultur gelernt, wie man aus keinem noch so guten Reiseführer der Welt erfahren kann. Wie bei allen Hosts hoffen wir, dass Hamed uns ganz bald besucht, damit wir ihm mit der gleichen Gastfreundschaft begegnen können, wie er uns.

Extra: Unsere Couchsurfing Tipps

Ich hätte noch hundert kleine Geschichten über die Vorteile von Couchsurfing parat, aber ihr wollt jetzt bestimmt gleich loslegen. Mit diesen Tipps könnt ihr eure Couchsurfing-Experience sofort starten:

  • Versucht wenn möglich ein oder zwei Wochen im Voraus anzufragen! Das ist nicht zu viel Zeit, in der sich sowieso nochmal alles ändert – bei euch und bei eurem Host-, aber auch nicht zu spät, um einen freien Host zu finden. Es gibt zwar auch Last-Minute-Requests, aber unsere Erfolgsquoten damit sind eher gering.
  • Bringt ein kleines Gastgeschenk mit! Wenn ihr mit etwas von zu Hause aufwarten könnt, um so besser.
  • Gebt euch aufgeschlossen und respektiert die Hausregeln! Zugegeben – nach einem langen Tag ist das Letzte auf das man manchmal Lust hat, ein langes Gespräch über das Leben. Aber: Couchsurfing ist kein Hotel. Man bezahlt nichts, sondern kommt ja gerade, um Erfahrungen auszutauschen, seine eigene Kultur zu vermitteln und Spaß zu haben. Wenn man wochenlang surft, empfehlen wir euch ab und an eine Nacht im Hotel/Hostel/airbnb einzuschieben. Dort sollte ausschlafen garantiert sein.
  • Bleibt freundlich! Schlechtes Wetter, das Tagesprogramm war ein Reinfall und ihr ändert kurzfristig euren Plan für die Nacht. Oder steckt irgendwo auf halber Strecke auf den Schienen fest. Jetzt müsst ihr der Person, die schon vor Wochen eure Anfrage akzeptiert hat, Last-Minute absagen. Und manchmal auch ein paar Minuten nach Last-Minute. Da kann es schnell zu Spannungen kommen. Bleibt freundlich, das ist es nicht wert eine schlechte Bewertung zu kassieren. In 99 Prozent der Fälle könnt ihr die Sache zu einem versöhnlichen Ende bringen.

So, ich hoffe ihr habt jetzt richtig Lust auf die Couchsurfing-Experience bekommen und verbringt viele gute Tage bei netten Leuten irgendwo im Universum. Es lohnt sich! Aus Larry wird wohl kein Surfer, glaub ich. Seine Frau hat unserer Unterhaltung eher mit skeptischem Blick gelauscht. Aber ein eigenes Boot in einem karibischen Hafen: da gibt schon schlechtere Schlafplätze, schätze ich.

Seid ihr auch Couchsurfer? Erzählt uns von euren schönsten, schlimmsten oder lustigsten Geschichten! Oder seid ihr lieber für euch und wisst denn Komfort einer Hotelmatratze zu schätzen?

Geschrieben von Johann.

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