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Warum in Hiroshima besser das Licht ausgehen sollte

Kenotaph Hiroshima

Kawasaki, Saitama, Hiroshima, Sendai. Vier Antwortmöglichkeiten. Und eine Frage: Welche dieser vier japanischen Städte hat gut eine Million Einwohner? Die Antwort: Alle. Sind wir mal ehrlich, so richtig können wir nur mit Hiroshima etwas anfangen. Und dieses Hiroshima im Südwesten der japanischen Hauptinsel Honshu ist voller Geschichten und Bilder aus zum Glück längst vergangenen Zeiten. So voll, dass ich mir nur schwer vorstellen konnte, wie es dort heute zugeht.

Hiroshima – Ort mit Geschichte

Hiroshima liegt am Meer. Doch würde niemand sagen, lass uns diesen Sommer zwei Wochen dahin fahren und Urlaub machen. Obwohl der Fluss Ota teilweise von grünen Bäumen gesäumt die Stadt durchzieht, und man ganz in der Ferne Berge erahnen kann, ist Hiroshima auch kein Wandererziel. Nach Hiroshima fährst du nur, wenn du eine satte Portion Geschichte willst. Und hinfahren solltest du auch nur, wenn du diese verträgst. Hiroshima kann man gut als Tagestrip von Osaka oder Kyoto aus machen. Mit dem Shinkansen braucht man jeweils um die zwei Stunden pro Strecke.

Atombombendom Hiroshima

Atombombendom in Hiroshima

In Hiroshima konzentrieren sich die meisten Sehenswürdigkeiten auf den Friedenspark. Hier finden sich die verschiedenen Wahrzeichen, die an den weltweit ersten Einsatz einer Atombombe in einem Krieg erinnern. Am Eingang des Parks trifft man zuerst auf den Atombombendom. Dieses Gebäude war vor dem Krieg der Sitz der japanischen Industrie und Handelskammer und stand wenige Meter vom Epizentrum entfernt. Es ist eines der wenigen Gebäude in diesem Bereich, die nicht komplett zerstört wurden. Der A-Dom wurde in seinem zerstörten Zustand bis heute erhalten. Die verbogenen Stahlträger im Inneren deuten die enorme Druck- und Hitzewelle an, die 90.000 Menschen unmittelbar das Leben kostete. Dieses Gebäude zeigt eindrucksvoll den Spagat, den Hiroshimaner seit 70 Jahren schaffen. Sie sollen einerseits das riesige Verbrechen vergessen und nach vorn blicken. Andererseits dürfen sie das nicht, da die Welt fortwährend daran erinnert werden muss, dass sich so etwas nicht wiederholen darf. Genau das symbolisiert der Dom, der wie ein altes, baufälliges Gebäude auch leicht übersehen werden kann. Gleichfalls kann man in  ihm das Gebäude sehen, das nicht einmal eine Bombe mit einer Kerntemperatur von über einer Millionen Grad Celsius zerstören konnte. Über 80 Prozent der 76.000 Häuser in Hiroshima wurden postwendend dem Erdboden gleichgemacht. Und dieses Haus steht noch. Das ist schon verrückt.

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Ein Stück weiter im grünen Friedenspark findet sich der Kenotaph, an dem jährlich am 6. August Gedenkfeiern stattfinden. Er stellt das symbolische Grab für die rund 220.000 durch die Bombe getöteten Menschen dar. Der Bogen soll den Seelen ein Obdach geben. In unmittelbarer Nähe steht die ewige Flamme. Diese soll in dem Moment erlöschen, in dem die letzte Atombombe auf Erden verschrottet wird. Als wir da waren hat das leider nicht geklappt. Hoffen wir, dass es nicht wirklich eine ewige Flamme ist.

Kinder Hiroshima

Die Geschichte von Sadako Sasaki

Etwas weiter sieht man eine Statue von einem Mädchen, das seine Arme nach einem sich erhebenden Kranich ausstreckt. Dies erzählt die Geschichte von Sadako Sasaki, einem am Tag des Abwurfs der Bombe 2 Jahre alten Mädchens. Sadako erkrankte mit elf Jahren an Leukämie als Folge der durch die Bombe ausgesendeten Strahlung. Eine Mitschülerin erzählt ihr vom japanischen Brauch mit 1000 gefalteten Origamikranichen einen Wunsch frei zu haben. Noch im Krankenhaus beginnt Sadako mit dem Falten. Es gibt verschiedene Versionen über den Ausgang der Geschichte. Eine wird im Friedensmuseum erzählt und besagt, sie habe es nicht geschafft. Jedoch hätten Freunde später die fehlenden Kraniche für Sadako gefaltet und der Wunsch fördere mit Sicherheit den Ausgang der ewigen Flamme… Die gefalteten Kraniche stellen noch heute ein Symbol gegen Atomwaffen dar und werden vor allem von Kindern gern im Park abgelegt. Das erwähnte Friedensmuseum solltest du nicht auslassen. Auch Helmut Schmidt, der Dalai Lama und Fidel Castro haben es besichtigt. Es beinhaltet eine beeindruckende und zugleich verstörende Sammlung von Gegenständen der zerstörten Stadt. Zerschmolzene Kinderfahrräder und Backsteine, Bilder von Menschen mit Verbrennungsschäden und unzählige bewegende Geschichten.

Frieden Hiroshima

Die Glocke und die Tore des Friedens, das Ehrendenkmal für koreanische Opfer, der Gedächtnishügel und viele weitere Stätten des Friedensparkes sind ebenfalls eine Besichtigung wert. Von einem Besuch in Hiroshima hast du mehr als ein paar schöne Urlaubsbilder. Hiroshima bildet, es beeindruckt, es gefällt auf eine eigentümliche Art und Weise. Hiroshima hat meine Japan-Reise komplett gemacht. Ich bin, übrigens wie jeder, den man darüber befragt, froh einen Tag in der Stadt verbracht zu haben. Um die Flamme auszupusten, würde ich auf alle Fälle nochmals hinfahren.

Quick-Tipps für Hiroshima

  • Hiroshima lohnt sich für einen Tagesausflug von Osaka oder Kyoto aus, auch an grauen, kalten Regentagen.
  • Mehr als eine Übernachtung würde ich nicht empfehlen, da sich die Highlights auf den Friedenspark beschränken und man diesen zur Genüge in einem Tag besichtigen kann.
  • Im Museum unbedingt einen Audioguide nehmen. Der ist nicht teuer, führt einen aber sehr informativ durch das Labyrinth.

Dieser Artikel ist unser Beitrag zum Bloggerprojekt Stadt, Land, Fluss auf Ferngeweht. Schau doch mal vorbei, wenn du auf der Suche nach Inspiration für die nächste Spielrunde oder die nächsten Urlaubstage bist.

Warst du schon mal in Hiroshima? Was hat die Stadt mit dir gemacht?

13 Comments to "Warum in Hiroshima besser das Licht ausgehen sollte"

  1. Antworten Sabine von Ferngeweht 20. April 2016 at 10:40

    Ui, das ist ja mal ein ungewöhnliches Ziel! Danke für den spannenden Beitrag zu meinem Stadt-Land-Fluss-Spiel!

  2. Antworten Gudrun 20. April 2016 at 11:49

    Als Kind habe ich das Buch „Sadako will leben“ gelesen. Leider weiß ich nicht mehr wie die Geschichte ausgeht, das muss ich direkt mal wieder hervorholen und nachlesen. Danke dass ihr mich nach Hiroshima mitgenommen habt!

    • Antworten Steffi 7. Mai 2016 at 1:04

      Hallo Gudrun,

      „Sadako will leben“ ist sicherlich das Jungendbuch, das mich am meisten geprägt hat. Sie stirbt natürlich, trotzdem ist es sicher immer noch lesenswert.

      Saskia und Johann,
      danke an die Erinnerung und den Fotos vom Schauplatz! Ein sehr guter Beitrag.

      Liebe Grüße
      Steffi

  3. Antworten Daniela 14. Mai 2016 at 8:35

    Sehr schöner Bericht über eine meiner japanischen Lieblingsstädte. Allein das Essen in Hiroshima, die Fahrten mit der Tram, die Umgebung und die vielen netten Bars mit ihren offenen Menschen haben Hiroshima für mich zum einzigartigen Erlebnis gemacht. Eine Nacht reicht da mir da aber nicht.

    • Saskia&Johann
      Antworten Saskia&Johann 14. Mai 2016 at 8:45

      Vielen Dank. 🙂 Den Alltag konnte ich in Hiroshima leider nicht 100% kennenlernen, aber vielleicht nächstes Mal…

  4. Antworten Christin 6. Juli 2016 at 23:39

    Hallo Saskia&Johann,
    Hiroshima ist wirklich sehr bewegend, aber auch sehr schön. Wir waren nicht im Friedensmuseum, unseren damals knapp 2 Jahre alten Sohn konnten wir das nicht zumuten. Trotzdem hat sich der Besuch der Stadt sehr gelohnt, auch für vier Tage 😉
    Viele Grüße
    Christin

    • Saskia&Johann
      Antworten Saskia&Johann 7. Juli 2016 at 13:25

      Hey Christin,

      schön, dass euch Hiroshima sogar vier Tage verzaubern konnte. Wäre stark, wenn du noch zwei, drei schöne Ecken der Stadt empfehlen kannst, die ich vielleicht verpasst hab! Hoffe ihr macht dann später nochmal in Hiroshima halt und schaut euch zu dritt dieses beeindruckende Museum an.

      Viele Grüße!

  5. Antworten WanderWeib 29. Juli 2016 at 12:53

    Sehr schöner Artikel! Vielen Dank! Wie lange warst du eigentlich in Japan?

    Viele Grüße aus Tokio,
    Tessa

    • Saskia&Johann
      Antworten Saskia&Johann 30. Juli 2016 at 0:31

      Hallo Tessa,

      vielen Dank für die lieben Worte. Ich war zwei Wochen im Land der aufgehenden Sonne. Viele Grüße nach Tokio!

      Johann

  6. Antworten Matthias 3. Januar 2017 at 20:34

    In Hiroshima gewesen und nicht Miyajima besucht? Das geht doch gar nicht!

    • Saskia&Johann
      Antworten Saskia&Johann 3. Januar 2017 at 23:16

      Das steht schon seit wir es dort verpasst haben auf unserer To-Do-Liste für die zweite Japan-Reise. 😉

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