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Las Vegas – Rückblick auf einen Two-Night-Stand

Las Vegas Boulevard

Als wir 2014 drei Wochen durch den Westen der USA geroadtrippt sind, bot sich ein Stopp in Las Vegas an. Auch wenn die Stadt nicht unbedingt auf Platz eins unserer imaginären Bucket-List stand, sind wir für zwei Nächte am legendären Strip abgestiegen. Und wie das so ist, wenn zwei Menschen gemeinsam verreisen, kann ein Ziel von zwei völlig verschiedenen Seiten beleuchtet werden. Wir haben für dich unsere beiden Sichtweisen auf die „Stadt der Sünde“ in fünf Fragen vorbereitet:

1 War Las Vegas tatsächlich das „Hollywood für Jedermann“?

Saskia: Für mich definitiv. Allerdings nicht im positiven Sinne. Die Stadt war voll. Und zwar in vielerlei Hinsicht. Sobald es dunkel wurde, war auf dem Strip kein Vorwärtskommen mehr. Auf jedem Fleckchen Gehweg waren Leute, die gerade die vermeintliche „time of their life“ hatten. Im Mini-Glitzerkleidchen oder von Mutti gebügeltem Hemd waren dem Alkoholkonsum keine Grenzen gesetzt. Dass das Kleid nur aus billigstem Polyester war, das Hemd das letzte Mal zum Prom getragen wurde und ein 1-Liter-Cocktail-Glas einen nicht unbedingt glamourös erscheinen lässt, hat dabei die wenigsten gestört.

Johann: Zumindest für die Leute, die genug Geld im Gepäck haben. Ohne Geld geht in Las Vegas wenig. Die Tage in Sin City werden definitiv über dem durchschnittlichen Tagessatz der Reise liegen. Wer nichts ausgeben will, für den bleibt auch in Vegas nur die Zuschauerrolle.

2 Wie viele Tage sind ideal für Las Vegas?

Saskia: Eine Nacht und zwei Tage wären für meinen Geschmack völlig ausreichend gewesen. Die Stadt hat tatsächliche die ideale Lage zwischen Grand Canyon und Yosemite National Park. Die Hotelzimmer sind gut und die Preise dafür unter der Woche günstig. Wenn du am späten Nachmittag ankommst, hast du noch genügend Zeit, eine (wirklich gute) Show zu besuchen, dein riesengroßes Bett zu genießen und am nächsten Morgen einen kurzen Abstecher in eine der riesigen und eiskalten Malls zu machen, bevor du dich wieder auf den Weg zum echten Star deines Roadtrips machst: der Natur. Den langen Flug nur für diese Stadt auf dich zu nehmen, lohnt sich meiner Meinung nach kein bisschen.

Las Vegas

Johann: Vegas ist intensiv. Man kann sich die Antwort ganz leicht selbst geben. Was war dein längster Partymarathon? Wie viele Samstagabende hintereinander hättest du gern? Wir waren zwei Nächte in Vegas und das war eine gefühlte Woche. Positiv gemeint.  Tagsüber hat man in Vegas das Gefühl, man besichtigt einen Ort, an dem in Kürze wieder eine monströse Party steigt. Es gleicht etwas dem Tag nach Sylvester, nur dass es unerträglich heiß ist.  Ein  Arbeitskollege hat mir kürzlich berichtet, er sei mit einem Freund mal eine Woche in der Stadt gewesen und er hätte nach zwei Tagen genug  gehabt. Meiner Ansicht nach sind Vegas-Kurzurlauber glücklicher.

3 Was war deine Top Drei in Las Vegas?

Saskia: Mein absolutes Highlight in Vegas war definitiv ein Besuch im Cirque du Soleil. Wir haben uns am Morgen Resttickets für „Kà“ besorgt und saßen am Abend mit einigen wenigen anderen Zuschauern in einem beeindruckenden Theater. Auch wenn mich die Fantasiewelt der Stadt nicht um den Finger wickeln konnte, diese zwei Stunden Fantasiewelt waren genau das Richtige für mich. Etwas abgeschlagen auf Platz Zwei lag für mich unser Hotel. Wir waren im 53. Stock des Trump-Hotel untergebracht (auch wenn da im Nachhinein die falschen Leute unser Geld bekommen haben) und hatten einen genialen Ausblick über die Stadt und die Wüste. Wenn dir die dunklen und dreckigen Kasinos in den Hotels am Strip zu viel sind, dann ist das Trump genau richtig: kein Casino und nahe am Strip, aber weit genug weg, um dir ein bisschen Ruhe zu verschaffen. Mit einem dritten Favoriten wird es bei mir schon schwer. Aber so unerträglich laut und voll, wie ich die Stadt empfand, hat die Apotheke am Strip, in der ich die erlösenden Kopfschmerztabletten gekauft hab, auf jeden Fall die größten Glücksgefühle in diesen drei Tagen erzeugt.

Spielhölle Las Vegas

Johann: Auf dem ersten Platz steht für mich ganz klar das Feeling. Abends auf dem Strip zu stehen und vor sich dieses grundlose Zu-Viel-von-Allem zu sehen, reißt einen komischerweise mit. Du bist nicht du in Vegas. Danach kommt für mich die musikalisch unterlegte Springbrunnenshow am Hotel Bellagio am Abend. Das hat es sogar mal auf eines meiner raren Urlaubsvdeos geschafft. Auf dem dritten Platz sind natürlich die Casinos. Wie Leute da sitzen und ihre Monatsgehälter aufs Spiel setzen nur um vielleicht etwas zu gewinnen ist irgendwie amerikanisch. Und um das zu erleben ist man ja auf einem USA-Trip.

4 Welche deiner Erwartungen an Las Vegas wurden nicht erfüllt?

Saskia: Meine Idee von Las Vegas war geprägt von Fernsehen, Kino und Büchern. Damit war also eigentlich klar, dass das mit mir und Vegas nix werden konnte. Die Realität kann ja in den wenigsten Fällen mit unseren Fantasiewelten mithalten. Und so hat mich in Las Vegas dann etwas ziemlich banales am meisten enttäuscht: Der ganze Müll, der sich auf den Straßen sammelt, die dreckigen Kasino-Teppiche, die in zu vielen Jahren schon zu viele Flüssigkeiten gesehen haben und die verbrauchten Möbel in den Restaurants, die bei Tageslicht betrachtet schon vor langer Zeit eine Renovierung nötig gehabt hätten. Solche alltäglichen Gebrauchserscheinungen haben für mich nicht zu der Stadt gepasst, die sich gerne als Glamour-Paradies schlechthin vermarktet.

Trump Las Vegas

Johann: Wie jeder hab ich natürlich auch gehofft mein Geldbeutel ist bei Abreise voller als am Anfang. Das hat (wie bei jedem) natürlich nicht funktioniert. Ansonsten hatte ich gehofft wir könnten unser tolles Hotelzimmer etwas mehr genießen und uns ganz dekadent vielleicht mal was aufs Zimmer bestellen. Das hat nicht geklappt, da diese Stadt einem unfassbar Energie zieht, was auch an den sehr hohen Temperaturen liegt. Vielleicht sollte man nicht sein ganzes Budget in ein superteures Hotelzimmer stecken, wenn man dann weder Zeit noch Kraft dafür hat.

5 Würdest du noch einmal nach Las Vegas reisen?

Saskia: Sag niemals nie – aber ganz ehrlich? Wenn ich das nächste Mal eine Übernachtung in der Gegend brauche, dann würde ich einen ruhigen Camping-Spot im Valley of Fire jederzeit vorziehen. Der Park ist nur eine Stunde entfernt von Las Vegas (und tagsüber mit Touristenmassen aus der Stadt überlaufen). Aber Silke von Safetravels hat bei einer Übernachtung im Park ganz andere Erfahrungen gesammelt. Wenn du noch nie in Vegas warst, solltest du der Stadt definitiv eine Chance geben – es gibt genügend Leute, die „Sin City“ lieben. Ich hab leider nicht dazu gehört.

Valley of Fire

Johann: Ja. Wenn man an der Westküste eine Tour macht, ist die ohne Vegas irgendwie nicht komplett. Ein oder zwei Tage kann man da gut verbringen. Man wird in Vegas von der Stadt zunächst völlig überrannt. Dann sollte man abreisen. Wer länger bleibt, kommt dann an den Punkt, an dem er die Sachen, die da ablaufen, hinterfragt. Und dafür ist dieser Ort nicht geeignet. Nur für Vegas würde ich nicht anreisen. Aber wenn man in der Nähe ist, wäre ein Kurztrip auf alle Fälle drin!

Warst du schon mal in Las Vegas? Welche Meinung hat bei dir überwogen? Wir freuen uns auf deine Erfahrungen mit der Stadt der Sünde in den Kommentaren!

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