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Ningaloo Reef – unsere Tage im Meer

Nach fast 2.000 Kilometern geradeaus durch Australiens unendlich großen Westen tanken wir noch einmal voll, bevor wir links abbiegen und nochmal mehr als 100 Kilometer geradeaus fahren, um schließlich an unserem bisherigen Roadtrip-Highlight hier in Australien anzukommen: Dem Ningaloo Reef.

Nur wenige hundert Meter vor der westaustralischen Indik-Küste zwischen Point Quobba im Süden und Exmouth im Norden erstreckt sich das Ningaloo Reef, ein Korallenwald, dem die UNESCO 2011 den Welterbestatus verliehen hat. Und das völlig zurecht.

Fast fünf volle Tage sind wir durch die trockenen Teile des australischen Westens in Richtung Norden gefahren. Unterbrochen wurde dieser zeitweise etwas eindimensionale Trip zwar von diversen Abstechern. Nur in Westaustralien käme man übrigens auf die Idee, einen 300 Kilometer langen Umweg einen „Abstecher“ zu nennen. Dieser führte uns in die Shark Bay, die zwar ebenso wie das Ningaloo Riff auf der Welterbeliste steht, für uns ohne 4WD jedoch bei Weitem nicht so traumhaft daher kam, wie der korallige Norden.

Ningaloo Reef Tag 1: Coral Bay

Wir kommen also an in Coral Bay. In Europa, oder auch jedem anderen Teil der Welt, würde man dieses Örtchen wohl kaum als Dorf, höchstens als eine winzige Siedlung bezeichnen. Aber hier in Western Australia ist das Dörfchen der Hub für das Ningaloo Reef schlechthin. Neben einem türkisfarbenen Meereszugang, der an einem blendend weißen Strand liegt, finden wir hier alles, was das Meeresherz begehrt.

Unsere Tage hier in den ersten Wochen unserer Weltreise beginnen früh am Morgen und enden kaum nachdem die Sonne hinterm Horizont verschwunden ist. Ähnelte es im Alltag zu Hause unabhängig von der Jahreszeit tagtäglich einer Qual, wenn uns der Wecker pünktlich um sechs Uhr morgens aus den Federn geholt hat, werden wir hier von ganz allein um diese Uhrzeit wach und haben den ganzen langen Tag vor uns. Und mit ihm die Freiheit, ganz für uns allein zu entscheiden, was wir mit ihm anfangen wollen.

In Coral Bay haben wir unseren ersten Tag genutzt, um bei gerade noch erträglichen Temperaturen unsere Schnorchelausrüstung das erste Mal aus dem Rucksack zu kramen und das „Hausriff“ des Dorfes zu erkunden. Schon nach wenigen Schritten erreichen wir die Korallen, die bereits in Strandnähe in den wildesten Formen und bunten Farben wachsen. Und auch zwischen diesen starren Lebewesen wimmelt es vor Leben. Fische jeder Größe und Couleur streifen durch die Unterwasserwälder. Da sind große Schwärme winziger leuchtend blauer Fischchen und einzelne größere, wild gemusterte Meeresbewohner. Mit jeder Bewegung taucht ein neuer unglaublicher Ausblick vor unseren Tauchmasken auf.

Ein Strand (fast) nur für uns

Verglichen mit der Lufttemperatur ist das Meer jedoch nahezu kalt und so lassen wir uns mit den Wellen zurück an das weiße Ufer spülen. Allein die Aussicht vom Strand ist beeindruckend genug, um Coral Bay als eindeutiges Highlight unseres bisherigen Trips zu identifizieren. Obwohl in Australien gerade Sommerferien sind, finden sich nur vereinzelte Menschen am Strand und auch im Laufe des Tages erreicht die Besucheranzahl kein Maß, das sich in Europa bei einem auch nur im entferntesten ähnlichen Sandufer einstellen würde. Und so genießen wir den Ausblick auf das türkisfarbene und intensiv blaue Riff fast für uns allein. Ganz weit hinten am Horizont kann man erahnen, welchen immensen Kräften sich die Korallen widersetzen müssen. Über eine Strecke, so weit unsere Augen reichen, brechen sich meterhohe Wellen an der Riffkante und plätschern anschließend die vielen hundert Meter bis zum Strand dahin.

Die Ausblicke, die sich bei unserem Schnorchel-Ausflug vom Strand aus boten, waren schon ziemlich famos. Da das Riff aber scheinbar noch größere Tiere zu bieten hat und wir außerdem auch ein klein wenig über diesen verrückten Lebensraum lernen wollen, buchen wir für den nächsten Tag eine sechsstündige Tour in das „Outer Reef“ und zu beeindruckenden Lebewesen, die wir beide in unserem Leben noch nicht zu Gesicht bekommen haben. Den Rest unseres ersten Tages in Coral Bay verbringen wir entspannt in unserem Van, beim Spaziergang entlang der einsamen Küste und natürlich beim Schnorcheln.

Ningaloo Reef Tag 2: Eine Tour ins Outer Reef

Am nächsten Tag finden wir uns um acht Uhr morgens bei Coral Bay Eco Tours ein und schätzen uns als gute Schwimmer und durchschnittliche Schnorchler ein. Noch die halbe Tube Sonnencreme aufgetragen und schon sind wir bereit zum Boarden. Mit unserer kleinen Schaluppe legen wir schnell aus dem winzigen Hafen ab und düsen weg vom Strand, hin zu den etwas raueren Gebieten an der Riffkante. Nach einer ausführlichen Vorstellung des Kapitäns, der Guides und des Riffs lassen wir uns ins kühle Nass  gleiten für das „Probeschnorcheln“. Der geführte Schnorchelgang lotst uns durch irrsinnig bunte und leuchtende Korallen zur „Cleaning Station“. Die Korallen dort ziehen große Schwärme winziger Putzerfische an, die die größeren Meeresbewohner von lästigem Schmutz und Parasiten befreien. Und wem werden gerade die Zähne geputzt, als wir vorbei ziehen? Einer kleinen Gruppe Riffhaie. Für uns beide waren es die ersten Haie, die wir in ihrer natürlichen Umgebung und aus so kurzer Entfernung gesehen haben. Auch wenn die Fleischfresser keine echte Bedrohung für uns darstellen, durchfährt uns doch ein ziemlicher Schauer, als wir ihre Umrisse zum ersten Mal vor und unter uns sehen.

Zurück auf dem Boot fahren wir weiter zwischen Koralleninseln und uralten Schildkröten in die sandigeren Gefilde des Riffs. Das ist nämlich die Lieblingsumgebung unseres eigentlichen Zieles an diesem Tag: des riesigen Mantarochens. Aufgeteilt in zwei Gruppen warten wir auf Hinweise aus einer kleinen Propellermaschine in der Luft, wo sich die Meeresriesen aufhalten könnten. Kaum haben wir die ersten Mantas erreicht, geht alles ganz schnell. So leise wie möglich lassen wir uns ins Wasser gleiten und schnorcheln dann so schnell wir nur können zu unserem winkenden Guide. Der Moment, in dem ich zum ersten Mal auf den schwarzen Rochen schaue, ist unbeschreiblich. Elegant und mit einer unglaublichen Gelassenheit gleitet er durchs Wasser und nur meine schmerzenden Lungen verraten mir, dass er dabei Geschwindigkeiten aufnimmt, mit denen kein Mensch im Wasser auf Dauer mithalten könnte. Und zusätzlich sieht es auch bei Weitem fragwürdiger aus, wie wir mit unseren kurzen Plastikflossen an der Wasseroberfläche entlang strampeln.

Wie kann so ein Tag noch besser werden?

Unser zweites Bad mit einem Mantarochen kurz darauf hält einen noch viel schöneren Moment für mich bereit. Gerade habe bin ich in die Unterewasserwelt abgetaucht, da kommt einer der großen Rochen nur wenige Meter unter mir direkt auf mich zugeschwommen. Kurz darauf zieht er unter mir vorbei und macht eleganter, als ich mich jemals bewegen könnte eine Umdrehung und zieht davon.

Nach diesen Erlebnissen kann der Tag kaum noch besser werden und so genießen wir einen leichten Lunch auf dem sonnigen Boot bevor es für einen letzten kleinen Schnorchelgang im äußeren Riff zurück in kühle Nass geht. Auch hier möchte man sich am liebsten die Augen reiben, so viele verschiedene und bunte Fische (und Schildkröten!) ziehen vorüber. Irgendwann ist jedoch auch diese wunderbare Tour vorbei und wir legen wieder an Land an.

Ningaloo Reef Tag 3: Eine einsame Zeit an Traumstränden

Um noch ein paar andere Teile des riesigen Riffs kennenzulernen, verlassen wir Coral Bay und fahren 150 Kilometer nach Norden, um am nächsten Tag von Exmouth aus in den Ningaloo Marine und Cape Range National Park zu starten. Am Visitor Centre besorgen wir uns die Camping-Berechtigung für eine Nacht und müssen feststellen, dass die meisten Schnorchel-Spots unzugänglich sind, weil der Wind doch ziemlich aufgefrischt hat. Nach den vielen Erlebnissen der letzten Tage ist das jedoch nicht das Schlimmste für uns und so fahren wir vorbei an Kängurus und Emus 40 Kilometer in Richtung Süden zur Osprey Bay.

Dort stellen wir unseren Van in erster Reihe am türkisfarbenen Meer ab und genießen die Aussicht, bevor wir zu einem Spaziergang entlang des weißen Strandes aufbrechen. Der Sand wird immer wieder durchbrochen von einzelnen roten Felsen, die im wunderbaren Widerspruch zu Meer und Sand stehen. Die Strände hier sind nochmal um ein Vielfaches einsamer als schon in Coral Bay und so haben wir zwei Kilometer schönsten indischen Ozean fast für uns allein. Auch wenn es zum Schnorcheln ein wenig zu rau ist, einer Abkühlung im blauen Nass können wir uns bei diesem Ausblick nicht entziehen. So geht schließlich auch dieser traumhafte Tag am Ningaloo Reef bei einem grandiosen Sonnenuntergang zu Ende.

Ningaloo Reef Tag 4: Abschied von den Schnorchel-Hotspots

An unseren letzten Tag am größten Riff Westaustraliens hat sich das Meer doch noch einmal beruhigt und wir können die drei bekanntesten Schnorchel-Spots des Nationalparks erkunden. Die Oyster Stacks kann man nur bei Flut überschnorcheln. Was man dann jedoch zu sehen bekommt, ist wirklich grandios. Zwischen den Korallen, die man nach nur wenigen Schritten von der Küste aus erreicht, tummeln sich Schwärme fluoreszierend blauer Fische und auch jede andere Farbe des Regenbogens ist hier vertreten.

Der „Snorkel-Drift“ treibt uns, ohne einen Finger krumm zu machen, über vielfältige Korallenwälder und vorbei an Riffhaien zurück an den Strand. Die „Lakeside“ schließlich haben wir nach einer kurzen Wanderung völlig für uns allein. Auch dort begrüßt uns ein Riffhai, weitere fluoreszierend blaue Fischschwärme, Welse, Barben und leuchtend gelbe Korallen, die die verschiedensten Fischschwärme anziehen.

Was für ein Abschied vom Ningaloo Reef! Nachdem wir in anderen Teilen der Welt erfahren mussten, wie es ist, wenn die schönste Natur nicht ausreichend geschätzt und geschützt wird, hat uns das Ningaloo Reef von allen Seiten überrascht. Neben der unglaublichen Fisch- und Korallenvielfalt ist uns vor allem der Schutz des Riffes aufgefallen, der hier scheinbar besonders hoch gehalten wird. Auf unserer Tour wurden die Verhaltensregeln in so einer fragilen Umweltzone wie dem Riff für alle auf eine tolle Art und Weise erläutert. In jedem Moment wurde darauf geachtet, dass niemand den Tieren zu nahe kommt. Viele Zonen im Riff sind ohne gesonderte Tour nicht zugänglich und das Fischen ist nur an wenigen ausgewiesenen Stellen erlaubt. Ganz besonders positiv aufgefallen ist uns, dass überall ausreichend Mülleimer vorhanden waren und dadurch auch die Teile des Riffs, die wir gesehen haben, frei von Plastiktüten oder anderen Umweltsünden waren. Nach den beeindruckenden Tagen, die wir rund um das Ningaloo Reef verbracht haben, hält das unsere Hoffnung, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder dieses einzigartige Naturschauspiel erleben können, hoch.

Praktische Infos

Nas Ningaloo Reef ist ein Saumriff ca. 1.200 Kilometer nördlich von Perth. Es schlängelt sich 260 Kilometer entlang der Ostküste des indischen Ozeans. Anders als beispielsweise das Great Barrier Reef ist es problemlos vom Ufer aus zu erreichen. Von Perth aus erreichst du die Küste innerhalb von einem sehr langen oder zwei erträglichen Tagen im Auto bzw. eines knapp zweistündigen Fluges. Ein fahrbarer Untersatz vor Ort ist jedoch nahezu unerlässlich, viele Orte werden von keinem öffentlichen Verkehrsmittel bedient. Die Campingplätze in Coral Bay, Exmouth und den Nationalparks sind von durchgehend ausreichend bis guter Qualität und können vor allem mit viel Natur aufwarten. Wir verwenden zur Suche nach einem Übernachtungsplatz hier in Australien die App „Wikicamps“. Schnorchelausrüstung musst du nicht unbedingt in deinen Rucksack quetschen, die gibt es hier auch für ca. 15 AUD pro Tag zu leihen. Touren werden in zahlreichen Variationen angeboten, je nach Jahreszeit, Fitness Level, Geldbeutel und Zeitlimit. Wir waren mit Coral Bay Eco Tours sehr zufrieden und können die Mantaray-Tour nur weiterempfehlen.

Welche Schnorchel-Spots auf dieser Welt kannst du uns empfehlen? Oder warst du sogar schon einmal am Ningaloo Reef?

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