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Peru – Oder: Warum auch Weltreise manchmal nervt.

Fast sechs Wochen haben wir in Bolivien verbracht. Das Land hat uns ziemlich überrascht und so haben wir unsere Abreise Tag für Tag aufgeschoben. Irgendwann hatten wir dann aber genug vom waghalsischen Verkehr und machten uns auf den Weg zum Titicacasee, wo wir schließlich in unser sechstes Weltreise-Land einreisten: Peru. Über kaum ein anderes südamerikanisches Land hatten wir vorher mehr gehört. Scheinbar jeder, der dort unterwegs war, kam mit einem Begeisterungssturm zurück. Unsere Vorfreude war groß und damit natürlich auch unsere Erwartungen. Am Ende kam es dann doch ein bisschen anders als gedacht.

Touristenhölle in Puno

Als erste Station in Peru lag Puno auf unserem Weg. Den Titicacasee hatten wir uns zwar schon von bolivianischer Seite aus angesehen, aber hier sollte alles noch einmal ganz anders sein. War es dann auch irgendwie. Nur eben nicht so, wie wir uns das erwartet hatten. Statt bekannter bolivianischer Gelassenheit wurden wir von allen Seiten lauthals in Lokale, Busunternehmen und Touranbieterbüros „gelockt“. Wir wussten überhaupt nicht mehr, wohin mit uns und machten uns nach dem Abendessen auf schnellstem Weg zurück in unsere Unterkunft. Wo wir dann auch beschlossen, die so berühmten und mittlerweile stark kommerzialisierten schwimmenden Inseln auszulassen und lieber in den nächsten Bus nach Arequipa zu steigen.

Ab ins nächste Krankenhaus!

Nach einer nahezu doppelt so lang wie veranschlagten Busfahrt kamen wir spät abends in der weißen Stadt an – und waren zum ersten Mal in Peru wirklich begeistert. Hinter den Kolonialbauten der Innenstadt erhoben sich mächtige Vulkane und verpassten der Stadt ein nahezu surrealistisches Antlitz. Aber wie wir in Peru noch lernen sollten: In diesem Land ist für uns kein Glück von langer Dauer. Kaum brach die zweite Nacht in Arequipa an, streikte Johanns Magen. Das ganze hielt tatsächlich so lange an, dass wir am nächsten Tag ins Krankenhaus fahren mussten. Nach einer Infusion, einigen Tabletten und ganz viel Papaya-Saft unserer unglaublich fürsorglichen Hostel-Chefin war endlich ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Aber was steht für uns ganz Peru-typisch nach einem Lichtblick auf dem Plan? Na klar, ein neues Problem. Und so vergingen kaum 24 Stunden, bis dann auch Saskia sich nicht mehr vom Badezimmer lösen konnte. Wir wollten unsere Auslandskrankenversicherung ja auch nicht das ganze Jahr über ungenutzt lassen, oder? Also mal wieder ins Krankenhaus, Infusion, Tabletten und Elektrolytlösung. Wir brauchen jetzt nicht noch erwähnen, dass wir fünf Tage in Arequipa so ganz und gar nicht geplant hatten, oder? Tatsächlich hatten wir ganze dreimal unsere Anreise in den Cola Canyon verschoben. Ziemlich geschwächt traten wir die Busfahrt dann doch irgendwann an. An eine mehrtägige Wanderung in den zum Teil über 1.000m tiefen Canyon war in dem Moment jedoch schon längst nicht mehr zu denken.

Reiseglück im Colca Canyon

Nach dem absoluten Tiefpunkt unserer Weltreise (zumindest bisher) in Arequipa ging es dann aber doch endlich ein Stück bergauf. Am Cruz del Condor, direkt über dem Colca Canyon, hatten wir eigentlich nicht viel mehr als einen Touristenansturm und ein paar Vögel erwartet. Stattdessen bekamen wir eine traumhafte Aussicht in die tief eingeschnittene Landschaft im sanften Morgenlicht. Als dann auch noch die majestätischen Andenkondore aus der Schlucht aufstiegen, konnten wir jeden Hype um diesen Ort nachvollziehen. Ganz nah an uns vorbei zogen die riesengroßen Vögel ihre majestätischen Kreise. Kaum ein Flügelschlag war notwendig, damit die Tiere immer höher in den blauen Himmel stiegen. Mit Blick auf das sagenhafte Naturschauspiel standen wir Arm in Arm am Abgrund und waren zum ersten Mal ein wenig versöhnt mit Peru. Das der Tag dann aber doch noch mit einer schaurigen Busfahrt ziemlich nah am Abgrund endete, brauchen wir jetzt aber nicht mehr erwähnen, oder?

Kommerz-Cusco und Machu Picchu Glück

Im und um das sagenhafte Cusco verbrachten wir anschließend eine ganze Woche. Die an vielen Stellen grandiose Stimmung in der Stadt, kurz vor Inti Raymi (dem Wintersonnenwendefestival), wurde für uns aber immer mal wieder von einer überbordenden Kommerzialisierung getrübt. Massagen, Souvenirshops, Tourenanbieter, vermeintliche Schamanen und Drogenhändler teilten sich die historische Innenstadt unter sich auf und waren stets bemüht, jeden einzelnen Besucher der Stadt als nächsten Kunden zu gewinnen. Mit ziemlich gemischten Gefühlen stand dann auch das unbestrittene Highlight der Region auf unserem Plan: Machu Picchu.

Pünktlich vor Abfahrt unseres Luxuszuges (den wir uns als Zugfahrfans aber nun wirklich nicht entgehen lassen konnten) war aber natürlich die nächste Krankheit im Anmarsch. Saskia keuchte und schniefte bei jedem Schritt, aber gebucht war gebucht und so kamen wir wie geplant an einem warmen Vormittag in Aguas Calientes an. Von dort sind es dann auch nur noch läppische 400 Höhenmeter – über steile, alte Treppenstufen und durch heißen, stickigen Regenwald. Aber was tut man nicht alles, um 24 USD für eine zehnminütige Busfahrt zu sparen? Da nützt auch die schlimmste Erkältung nichts, am Ende hatten auch wir es nach oben geschafft und standen zum ersten Mal vor einem der „sieben Weltwunder der Moderne“.

Gut war: Wir haben die Ruine am Nachmittag besucht. Dadurch gab es zwar keinen mysteriösen Nebel, dafür aber strahlenden Sonnenschein, klare Sicht – und viel weniger Touristen. Auf unserem Weg nach oben kamen uns Unmengen an Menschen entgegen, die sich morgens zum Sonnenaufgang nach oben gequält hatten und jetzt schnell zurück zu ihrem Zug mussten. So hatten wir das beeindruckende Inkadorf zwar nicht ganz für uns allein, die befürchteten Menschenmassen blieben aber doch aus. Am Ende war Machu Picchu, so klischeehaft das auch sein mag, ganz unerwartet eines unserer Highlights in Peru.

Weiter geht die Reise – und die Magen-Darm-Probleme

Nach ein paar weiteren (ziemlich spannenden) Inka-Ruinen im Heiligen Tal war für uns aber klar: Wir müssen zurück in die Natur, dort schlagen unsere Herzen dann doch irgendwie höher. Zusammen mit Saskias Erkältung hatten wir auch die Hoffnung, dass unser schlechter Start in Peru sich verziehen würde. Somit verbrachten wir gleich zwei Nächte hintereinander im Nachtbus und kamen im Wandermekka Perus an: Huaraz. Der Plan: ein Tag von den Nachtbussen erholen, zwei Tageswanderungen zur Akklimatisierung, ein Tag zur Vorbereitung, fünf Tage Santa-Cruz-Trek und dann sehen wir weiter. Die Realität: Johann holt sich am Erholungstag (mal wieder) eine Lebensmittelvergiftung, wir machen eine katastrophale Akklimatisierungswanderung, starten dickköpfig wie wir sind den Santa-Cruz-Trek – und müssen abbrechen. Eine Erkenntnis werden wir nach dieser Reise mit Sicherheit niemals wieder vergessen (und Sensible können diesen Satz jetzt gern überlesen): Durchfall wird mit jedem einzelnen Höhenmeter schlimmer, einen 4.700m hohen Pass sollte man in diesem Zustand mit Gepäck auf dem Rücken definitiv nicht angehen.

Nach vier Wochen und ein paar schönen Erlebnissen fühlten wir uns von Peru ziemlich in den Allerwertesten getreten. Zurück im Hostel war unsere Ausreise innerhalb der nächsten zwei Tage schon so gut wie geplant, als wir eine Nachricht bekamen: „Wir sehen uns zum Kaffeetrinken, haben schon einen guten Touranbieter gefunden!“. Mit der riesengroßen Überzeugung, dass uns nichts, aber auch gar nichts, auch nur einen einzigen Tag länger in diesem Land halten würde, sind wir zu unserem Kaffee-Date ins Café Andino gestiefelt – und kamen am Abend mit den besten Durchfalltabletten aller Zeiten und einer Zusage zum Huayhuash-Trek zurück ins Hostel. Was dazwischen passiert ist? Wissen wir auch nicht so richtig, nur, dass es manchmal die richtigen Leute braucht, um dich aus deinem selbst gebuddelten Loch rauszuholen.

10 Tage Hochgebirge, drei Tage Meer – unsere Versöhnung mit Peru

Entgegen aller Pläne wurden wir also zwei Tage später um vier Uhr morgens am Hostel abgeholt und sind dann zehn Tage lang einmal um die Cordillera Huayhuash gestiefelt. Es war kalt, es war anstrengend und eine der besten Erfahrungen dieser Reise. Zurück in Huaraz waren wir mit Peru doch irgendwie versöhnt, verbrachten traumhaft entspannte Strandtage in Mancora und verließen den Andenstaat am Ende doch erst nach sechs ganzen Wochen. Auch das ist eben manchmal Weltreise: Kein Dauerurlaub, sondern Krankheit, Stress oder Abzocke. Am Ende lehrt uns die Reise aber doch immer wieder, dass das Glück hinter jeder nächsten Wegbiegung liegen kann. Und wenn es dort noch nicht ist, dann eben hinter der nächsten. Oder der nächsten.

4 Comments to "Peru – Oder: Warum auch Weltreise manchmal nervt."

  1. Antworten Evaexplora 11. Oktober 2017 at 18:39

    Das klingt richtig nach Langzeitreise 😉 ich hoffe euch geht’s nun wieder besser und das nächste Land hat euch mit offenen Armen empfangen. Aber irgendwann erwischt es jeden mit so einer Erfahrung, bei uns war das ein bisschen auf Kuba so… Aber es wäre doch auch langweilig wenn alles nur super laufen würde – ich schätze dann immer die kommenden Erfahrungen umso mehr un die Zeit bleibt viel intensiver in Erinnerung (auch wenn man aufs ein oder andere verzichten könnte). Wir sind auch seit ein paar Tagen in Peru, Mel sehen wie es uns am Ende gefällt. Viel Spaß euch noch & viele gute Erlebnisse! Steffi

    • Saskia&Johann
      Antworten Saskia&Johann 12. Oktober 2017 at 6:03

      Wir haben Peru am Ende doch ziemlich gut gelaunt verlassen, aber solche Tiefpunkte gehören eben tatsächlich dazu. Vielen Dank und euch eine schöne Zeit in Peru! Viele Grüße, Saskia

  2. Antworten Christiane & Uli von dustyboots.blog 26. November 2017 at 16:05

    Hallo Saskia! Hallo Johann!

    Wir haben gerade Eure Seite über Euer Interview bei Nicole von Passenger X entdeckt. Wir freuen uns, dass Ihr Euch zur Cordillera Huayhuash aufgemacht habt. War für uns ein absolutes Highlight! Euch noch viel Freude unterwegs …

    Grüßl
    Chritstiane und Uli

    • Saskia&Johann
      Antworten Saskia&Johann 28. November 2017 at 12:47

      Hallo ihr beiden,
      die Cordillera Huayhuash war unser schönster Wandererlebnis überhaupt, falls das indische Internet mitspielt, kommt dazu auch bald ein eigener Beitrag bei uns.

      Viele Grüße,
      Saskia

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