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Roadtrip Oman – unsere Route

Sharqiya Sands

Nach unserem Artikel über unsere Reise in den Oman könnt ihr es kaum abwarten, endlich selbst aufzubrechen? Perfekt! Oder seid ihr euch noch unsicher, ob dieses Land wirklich was für euch ist? Auch gut – vielleicht können wir euch mit dieser Route durch das arabische Land überzeugen.

Unsere Rahmenbedingungen waren denkbar schlecht: Das Jahr 2015 hat uns einige ungünstige Überschneidungen von Studium und Arbeit geboten und so hatten wir insgesamt nur neun volle Tage für unseren Roadtrip durch den Oman. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, nur den Norden des Landes zu bereisen. So haben wir gleich zwei Gründe, nochmal in das Sultanat zurückzukehren: Musandam, die Fjord-Enklave ganz im Norden und die Route nach Salalah, 1.000 km durch die Wüste.

Sultan Qaboos Moschee

Muscat

Start und Ziel unseres Roadtrips war die Hauptstadt des Oman. Eigentlich hatten wir dafür nur eineinhalb Tage eingeplant, aber da hat uns das Wetter einen kräftigen Strich durch die Rechnung gemacht. Als wir direkt nach unserer Landung den schönsten Sonnenschein in Muscat genossen, hat es nur ein paar hundert Kilometer weiter so sehr geregnet, dass Straße unpassierbar waren und ganze Parkplätze weggespült wurden. Gut, dass uns Hamed, unser Couchsurfing-Host, überzeugen konnte, noch einen Tag länger in der Hauptstadt zu verweilen. Muscat ist der perfekte Einstieg in den Oman: gewöhnt euch langsam an die Hitze, macht euch im Bait Al Zubair Museum mit der omanischen Kultur vertraut und bestaunt die Sultan Qaboos Moschee. Lasst euch durch den Souk in Matrah treiben und genießt auf einer der Dünen mitten in der Stadt die warme Nacht.

Sonnenuntergang Muscat

Jebel Shams

Als es das Wetter dann endlich zugelassen hat, haben wir das Meer hinter uns gelassen und sind in unser viel zu großes Mietauto gestiegen. Die Straße ins Inland, in Richtung Hadschar-Gebirge, hat uns nach Muscat einen völlig neuen Blick auf das Land eröffnet: Dörfer, die nur aus ein paar einfachen Häuser bestanden, vertrocknete Felder und unwirtliche Berge. Und dazwischen immer wieder wunderschöne aber winzige Moscheen. In Bahla haben wir unsere Camping-Vorräte aufgestockt und das übliche omanische Mahl zu uns genommen: Hühnchen mit Reis. Wenn ihr mit eurer Zeit besser haushaltet, als wir, schafft ihr es bestimmt auch noch, das mächtige Fort in Bahla zu besuchen. Allein beim Vorbeifahren hat sich der Blick auf die Sandmauern inmitten von Palmen gelohnt.

Jebel Shams Off-Road

Nachdem wir Bahla hinter uns gelassen hatten, ging unser eigentliches Roadtrip Abenteuer los: Offroad. Die Fahrt auf den Jebel Shams, den höchsten Berg im Oman, führt weitestgehend über asphaltierte Straßen. Die bei unserer Fahrt aufgrund des Regens der vorhergehenden Tage aber eher einen Schotterpiste glichen. Wenn ihr noch nie in eurem Leben einen 4WD gesteuert habt und einzig und allein den Komfort asphaltierter Straßen gewöhnt seid, dann müsst ihr hier vielleicht kurz schlucken: Leitplanken gibt es nicht, die Straße zeigt immer wieder Risse und je höher ihr kommt, desto länger werden die Strecken, die nur aus Sand und Steinen bestehen. Aber keine Angst, die Strecke ist ein guter Einstieg und bei einer bedachten Fahrweise überhaupt kein Problem. Am Ende hat dieser Abschnitt unseres Roadtrips ziemlich viel Spaß gebracht und uns einen wunderschönen Camping-Spot beschert.

Camping Jebel Shams

Oben angekommen könnt ihr tief ins Wadi Ghul schauen und der vollkommenen Stille lauschen. Die höchstens von ein paar Ziegen gestört wird. Um den schönsten Platz für euer Zelt, mit dem ungestörtesten Blick auf den weiten Sternenhimmel zu bekommen, fahrt an allen Resorts vorbei und steuert euren Wagen nah an den vermeintlichen Abgrund. Dort könnt ihr den Sonnenaufgang genießen und sehen, wie sich der Nebel im tausend Meter tieferen Tal lichtet.

Wadi Ghul

Nizwa

Nach einer ebenso spaßigen Offroad-Abfahrt (auf die Bremsen achten!) führte uns unser Roadtrip weiter nach Nizwa, der islamischen Hauptstadt des Oman. Die alte Stadt hat eigentlich ein, zumindest von außen, ziemlich beeindruckendes Fort zu bieten, das bei unserem Besuch aber leider gerade geschlossen war. Stattdessen haben wir den riesigen Souk besucht und uns dort mit dem besten Halwa im ganzen Oman versorgt (zumindest wenn man der Aussage von Hamed glaubt). Und natürlich Hühnchen mit Reis gegessen. Auch in Nizwa solltet ihr das Wetter ein wenig im Blick behalten. Der riesige Parkplatz am Souk liegt mitten in einem Wadi, dass ziemlich schnell geflutet wird, wenn der Regen vom Himmel prasselt. Es wäre doch ziemlich blöd, wenn ihr der Mietwagen-Firma erklären müsst, wo der Wagen geblieben ist.

Nizwa

Sharqiya Sands

Nach unserem kurzen Stopp in Nizwa sind wir in Richtung unseres eigentlichen Highlights aufgebrochen: die Sandwüste „Sharqiya Sands“. Nach einer langen Fahrt durch trockenes Ödland – auf dem wir die ersten Kamele am Wegesrand beobachten konnten – haben wir unseren Treffpunkt in Al Wasil erreicht. Weil unsere Fahrerfahrung mit einem 4WD und insbesondere auf sandigem Untergrund bei Null lag, haben wir uns für eine Übernachtung in einem der zahlreichen Wüstencamps entschieden. Vom Treffpunkt aus sind wir dann in einer Kolonne durch die einsame Wüste gefahren, vorbei an Kamelen tauchte irgendwann eine Gruppe von Barastis hinter einer Düne auf. Wir waren im Nomadic Desert Camp angekommen.

Sharqiya Sands

Die Entscheidung für genau dieses Camp war goldrichtig: Anders als in den meisten der übrigen Camps gibt es dort keinen riesigen Generator, sodass man die mächtige Sandwüste in all ihrer Stille erleben kann. Zuerst sind wir noch ein bisschen durch die Wüste gecruist, um einen einmaligen Sonnenuntergang zu erleben. Dann haben wir ein Beduinen-Buffet genossen und schließlich den riesigen Sternenhimmel bestaunt. Bei einer so unendlichen Weite hatten wir sogar Sternschnuppenglück. Nach einer Dusche unter dem sternenklaren Nachthimmel haben wir in der traditionellen Strohhütte so gut geschlafen wie lange nicht.

Nomadic Desert Camp

Der nächste Morgen begann mit einem Ritt auf den ziemlich starken Rennkamelen der Beduinenfamilie. Was ich vorher als üble Touri-Gewalt an den Tieren abgetan hatte, war tatsächlich ein kleines Highlight. Die Kamele waren gut genährt und sehr zutraulich, kein Einziges hat nach uns geschnappt. Und von einem wettergegärbten uralten Beduinen durch die weiten Dünen geführt zu werden, war wirklich magisch.

Nomadic Desert Camp Kamelritt

Wadi Bani Khalid

Nach dem wir unseren Weg aus der Wüste zurück auf die Straße gefunden hatten, legten wir unterwegs einen Stopp am Wadi Badi Khalid ein. Auch wenn die vielen Menschen nach den Tagen in den Bergen und der Wüste ein bisschen gewöhnungsbedürftig für uns waren, war die Schlucht zwischen riesigen Bergen genau die richtige Entscheidung. Klares Wasser zwischen weißen Steinhängen – was gibt es besseres nach den staubigen Tagen davor? Vergesst aber nicht ein paar leichte Sachen, die ihr über eure Badesachen ziehen könnt!

Wadi Bani Khalid

Ras al Hadd und Ras al Jinz

Um noch vor Sonnenuntergang (ja, der kommt ziemlich zeitig und plötzlich) einen Campingplatz zu finden, mussten wir das Wadi Badi Khalid auch bald wieder verlassen. Unser Roadtrip sollte uns weiter in Richtung Osten bringen, an den östlichsten Punkt der arabischen Halbinsel. Wenn ihr Ras al Hadd erreicht, folgt der Straße immer weiter geradeaus, bis ihr am Strand angelangt seid. Dort habt ihr fast einen ganzen Strand für euch, um euer Zelt aufzuschlagen. Neben einem surreal blauen Meer könnt ihr dort auch euer Schnorchel-Zubehör auspacken. An den Riffen wimmelt es vor Schwärmen mit winzigen Fischen und wenn ihr Glück habt, schwimmt auch eine Schildkröte vorbei.

Ras Al Hadd

Ras al Hadd war außerdem der perfekt Ausgangspunkt um morgens um fünf an einer Tour durch das Turtle Reserve in Ras al Jinz teilzunehmen. Rechtzeitig zum Sonnenaufgang hatten wir den geschützten Strand erreicht und konnten beobachten, wie sich riesige Schildkröten nach der Brut ausgruben und auf den Weg zurück ins Meer machten. Und dazu kamen auch noch frisch geschlüpfte Schildkröten. Die winzigen Tiere haben sich aus dem schweren Sand gekämpft und intuitiv in Richtung Meer bewegt, bis sie fortgespült worden. Der Moment, in dem wir an diesem wunderschönen Strand standen, eine große rote Sonne über dem blauen Meer aufgehen sahen und dieses einmalige Wunder beobachten konnten, war einmalig. Wenn ihr gerade einen Roadtrip im Oman plant, sollte das Turtle Reserve in Ras al Jinz definitiv dabei sein!

Raz Al Jinz Turtle Reserve

Sur und das Wadi Badi Khalid

Unser Weg zurück Richtung Norden führte uns auch durch die Seefahrerstadt Sur. Dort konnten wir endlich auch mal frischen Fisch genießen und ein bisschen Abwechslung zu Hühnchen mit Reis bekommen. Die Mittagshitze hat uns von weiteren Besichtigungen in der Stadt abgehalten und wir haben unseren Weg in Richtung Norden fortgesetzt.

Sur

Direkt an dem Küsten-Highway von Sur nach Muscat liegt der Eingang ins Wadi Shab. Vom Parkplatz aus könnt ihr mit einem kleinen Boot über den Fluss zum Eingang in das Wadi übersetzen. Von dort geht es über Felsen und durch klares Wasser tief hinein in das Wadi. Die Wände ragen immer weiter in die Höhe und der „markierte“ Weg wir immer unklarer. Macht aber unbedingt weiter, das erfrischende Bad in einem der natürlichen Pools entschädigt für alle Strapazen unterwegs. Nur weil ihr den Hinweg durch das Felslabyrinth gefunden habt, ist der Rückweg kein Problem? Weit gefehlt, von der anderen Seite sehen all die Felsen auf einmal ganz anders aus und das Ausprobieren geht wieder von vorn los. Wenn ihr es dann wieder zurück zu den Booten geschafft habt und einen Blick zurück auf die Spalte in den hohen Bergen werft, dann ist es ganz schön unglaublich, dass ihr da eben noch drin wart.

Wadi Hab

Der Highway nach Muscat ist gesäumt von Abfahrten an einsame Strände und unendliche Plateaus – perfekt um nach diesem anstrengenden Tag das Zelt aufzuschlagen und mal wieder den Sternenhimmel zu bestaunen.

Camping Oman

Sifawy und die Strände vor Muscat

Nach all den Camping-Tagen wollten wir zumindest für eine Nacht den Luxus eines Strand-Hotels genießen. Das war aber erstmal ein ganz schöner Kulturschock. Das gesamt Hotel hatte nichts mit dem Land zu tun, dass wir die Tage davor so genossen hatten. Da hing zwar ein Porträt von Sultan Qaboos aber mehr wies auch nicht darauf hin, dass wir uns immer noch auf einem Roadtrip durch den Oman befanden. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase war es dann aber doch ganz nett, die Hitze im Bikini am Strand genießen zu können, unter einer riesigen Dusche all den Sand abzuwaschen und ein Frühstück zu genießen, dass aus ein paar Komponenten mehr als Haferflocken und Milch bestand.

Sifawy Boutique Hotel

Nach einer Nacht haben wir uns dann auf den Rückweg nach Muscat gemacht und an den vielen einsamen Stränden abseits des Highways gehalten. Dort konnten wir noch einmal den vermeintlich authentischen Oman erleben und wurden mal wieder von der Freundlichkeit der Omanis überrascht.

Yiti Beach

Schnorcheln auf den Dayminyat Inseln

Bevor uns unser Flieger mitten in der Nacht wieder zurück ins kalte Deutschland bringen sollte, wollten wir die Unterwasservielfalt vor der Küste des Omans kennenlernen. Mit einem Boot erreichten wir nach einer 45 Minuten auf See die Gruppe der Dayminyat Inseln. Mit Schnorchel und Maske bewaffnet sind wir in zwei einsamen Buchten abgetaucht. Bunte Korallen, Seeigel, riesige Fischschwärme und sogar zwei Schildkröten haben dort unseren Weg gekreuzt. Der Einblick in die vielfältige Heereswelt vor der Küste von Muscat war der perfekte Abschluss unseres Roadtrips durch den Oman.

Schnorcheln Oman

Praktische Hinweise für euren Roadtrip im Oman

Wir waren in den letzten beiden Oktober-Wochen im Oman unterwegs. Früher solltet ihr auf keinen Fall fahren, lieber noch ein bisschen später. Die Hitze ist gerade für Mitteleuropäer ein nicht zu unterschätzender Faktor und kann so manche Aktivität mitten am Tag hinfällig machen.

Wenn es irgendwie möglich ein sollt, macht lieber nicht den Freitag zu eurem Ankunftstag im Oman. Als wir nach einer langen Nacht im Flugzeug die ersten Kilometer nach Muscat gefahren sind, haben wir kein einziges geöffnetes Restaurant oder einen Supermarkt gefunden. Und zu allem Übel hatten wir es auch noch geschafft, direkt nach dem Ende des Freitags-Gebets vor einer Moschee unterwegs zu sein. Noch vor unserem ersten Happen im Oman hatte unser Mietwagen die ersten Kratzer.

Investiert lieber in einen 4WD. Auch wenn die Schotterpisten mit einem normalen Auto auch irgendwie machbar gewesen wären, bin ich mir nicht sicher, wie eure Mietwagenfirma das so fände. Gerade wenn ihr das Fahren in unwegsamen Gelände nicht so sehr gewöhnt seid, bietet so ein riesiges und stabiles Auto zumindest ein Gefühl von Sicherheit.

Wüste Oman

Wildes Campen ist überall im Oman erlaubt. Also packt euer Zelt ein und sucht euch den schönsten Platz, den ihr finden könnt!

Achtet immer ein wenig auf die Wetterprognosen. Der Aufenthalt in einem Wadi bei Regen ist lebensgefährlich: die ausgetrockneten Böden nehmen kein Wasser auf und die Fluten stürmen die engen Schluchten zwischen den Bergen nur so entlang.

Fahrt niemals allein in die Wüste! Ihr steckt schneller fest als euch lieb ist und so schnell kommt da niemand vorbei, um euch rauszuziehen. Also lieber doch mal eine organisierte Tour mitmachen und dafür die Wüste auch wieder lebend verlassen.

Wart ihr schon auf einem Roadtrip im Oman? Welche Route könnt ihr empfehlen? 

6 Comments to "Roadtrip Oman – unsere Route"

  1. Antworten ReiseSpatz 2. Februar 2016 at 17:35

    Wir hatten eine ähnliche Reiseroute…Das Beobachten der Eiablage habe ich auch ganz beeindruckend empfunden. Oman ist ein großartiges Land und es gibt wirklich sehr viel zu entdecken. Unsere Reiseroute und Tipps die wir von unserem Roadtrip mitgebracht haben kannst du hier nachlesen. http://reisespatz.de/reisebericht-oman/
    Liebe Grüße,
    Sabine

    • Saskia&Johann
      Antworten Saskia&Johann 2. Februar 2016 at 19:02

      Die Route bietet sich wirklich an, um einen ersten Eindruck vom Land zu bekommen. Wenn ich von den vielen Forts lese, die ihr besichtigt habt, ärger ich mich ein bisschen, dass wir in Bahla und Nizwa kein Glück hatten. Viele Grüße, Saskia

  2. Antworten Myriam 2. Februar 2016 at 22:28

    Hey,

    das ist ja cool: noch zwei weitere Reiseblogger aus Leipzig kennengelernt. 🙂
    Über den Oman habe ich schon viel gelesen und gesehen. Wäre durchaus auch ein Reiseland für uns, erinnert mich ein wenig an unseren Marokko Trip in 2014. Ich liebe Länder mit Wüsten. Wir waren damals Ende Juni einige Nächte in der Sahara. Es war sehr heiß und auch nicht die beste Reisezeit, aber ich habe anders nicht frei bekommen.

    Liebe Grüße aus Plagwitz

    Myriam

    • Saskia&Johann
      Antworten Saskia&Johann 9. Februar 2016 at 21:16

      Hey Myriam,
      im Oman war ich zum ersten Mal in einer richtigen Sandwüste und fand das schon sehr faszinierend. Seitdem ist Marrokko auf meiner Reisewunschliste auch gleich nochmal nach oben gestiegen. 😉
      Viele Grüße nach Plagwitz, Saskia

  3. Antworten Elisa 9. Februar 2016 at 21:04

    So schön. Jetzt bereue ich es gleich noch mehr, dass wir es uns damals anders überlegt haben. 😀
    Ein toller Trip und schöner Bericht!

    Liebe Grüße
    Elisa

    • Saskia&Johann
      Antworten Saskia&Johann 9. Februar 2016 at 21:17

      Hey Elisa, vielen Dank. 🙂 Den Trip solltet ihr auf jeden Fall nachholen, ist mal eine ganz andere Art Roadtrip. Viele Grüße, Saskia

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