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6.500 Kilometer – unser Roadtrip durch Westaustralien

Australien – was warst du für ein Start für die Weltreise. Wunderschön, aber nicht immer einfach. Nachdem wir einige Tage unseren Jetlag in Sydney bekämpft hatten, sind wir ans andere Ende des Kontinents geflogen. Dort erwarteten uns ein Van und die Unendlichkeit der westaustralischen Straßen. Ohne so ganz konkreten Plan sind wir also in Perth, der einsamsten Großstadt der Welt gelandet, ein Uber hat uns zum Autovermieter gebracht und schon ging er los – unser Roadtrip durch Westaustralien.

Westaustralien: Staat der Kilometer

Wenn du dir eine Karte von Australien vor Augen hältst, sieht das Land eigentlich gar nicht so weitläufig aus. Auf den ersten Blick. Aber was es wirklich bedeutet, wenn zwischen einzelnen Sehenswürdigkeiten, Campgrounds oder Supermärkten mehrere hundert Kilometer liegen, haben wir erst gemerkt, als wir tatsächlich unterwegs waren.

Unsere Route war natürlich auch geprägt von der Reisezeit, zu der wir in Westaustralien unterwegs waren. Im Januar ist es im Süden angenehm warm, im Outback (sehr) heiß und im Norden ziemlich stürmisch. Außerdem sind mehr oder weniger den ganzen Monat über Sommerferien, was die Preise zusätzlich in die Höhe treibt. Das hieß für uns, wir würden uns definitiv ein Stück in Richtung Norden vorwagen, jedoch umkehren, bevor uns der erste Zyklon erwischt. Und dann sehen, wie viel Zeit für den Süden übrig bleibt.

Und so starteten wir am 5. Januar 2017 von Perth auf dem Indian Ocean Highway unseren Roadtrip durch Westaustralien. Am ersten Tag stand für uns auf dem Programm, uns endlich an den Linksverkehr zu gewöhnen, Aldi einen Großeinkauf abzustatten und mit kaputtem Seitenspiegel irgendwie durch den Perther Stadtverkehr zu kommen, bis wir endlich auf der Straße sein würden, die uns die nächsten 1.700 Kilometer nahezu ununterbrochen geradeaus in Richtung Exmouth bringen würde.

Pinnacles Wüste, Kalbarri Nationalpark und Shark Bay

Auf diesen vielen Kilometern lagen außer schnurgeraden Straßen und ewig gleicher Vegetation auch einige Sehenswürdigkeiten. Da gab es die aus Kalksteinsäulen bestehende Pinnacles Wüste, die über die vergangenen zwanzigtausend Jahre von dem sie umgebenden Quarzsand freigelegt wurde. Oder den Kalbarri Nationalpark, der uns nicht nur mit einem pinken See (die Farbe resultiert aus den Algen im Gewässer), sondern auch mit tiefen Schluchten zwischen rotem Gestein und einer wilden Küste überraschte. Das vorläufige Highlight schließlich war für uns Shark Bay. Dort bestaunten wir lebendige Stromatolithen, die irgendwie ziemlich langweilig aussehen, aber eine wahnsinnig große Bedeutung für die Geschichte der Erde und unsere Atmosphäre haben.

Dann sind wir über einen unendlichen Strand aus weißen Muscheln gehüpft, in der Hoffnung, im Meer ein wenig Erfrischung zu finden. Meter für Meter liefen wir durch das seichte Wasser, aber ein Punkt, an dem mehr als unsere Knöchel bedeckt waren, konnten wir nicht ausmachen. Also ging es weiter über die Halbinsel. Türkisblaues Meer, weiße Strände, unendliche Buschlandschaften. All das hatten wir so noch nicht gesehen, aber unser eigentliches Highlight auf der Strecke erwartete uns natürlich noch. Der Ningaloo Marine Park. Viel weiter nördlich konnten wir zu dieser Jahreszeit nicht fahren, ohne von der unerträglichen Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit gelähmt zu werden.

Westaustralien – Wenn das Wetter den Plan macht

Nach unseren grandiosen Tagen am Riff mussten wir unseren eigentlichen „Plan“ (eher eine Liste von Orten, die gern besuchen würden) zum ersten Mal über den Haufen werfen. 600 Kilometer östlich von Exmouth liegt der Karijini Nationalpark, mit tiefen Schluchten, versteckten Wasserfällen und roten Felsen. Bei Regen und Sturm sind die meisten der Sehenswürdigkeiten im Park jedoch unzugänglich, sodass wir uns zähneknirschend dafür entschieden haben, den langen Weg nach Perth einfach wieder zurück zu fahren und von dort den zweiten Teil unseres Roadtrips zu starten.

Viele Kaffees, Podcasts und Kilometer später, sind wir dann durch Perth gedüst, um uns zwei entspannte Tage im hippen Fremantle zu gönnen. Die waren auch super lecker, visuell ansprechend und einfach genau das was wir gebraucht hatten. Bis wir zu unserem Van zurückkamen und alle Schlösser sowie ein Fenster aufgebrochen vorfanden. Wie auch immer wir dieses Glück verdient hatten, aber tatsächlich wurde uns nicht ein einziges Teil gestohlen. Weiterfahren ging mit diesem Wagen jedoch nicht, sodass wir am nächsten Tag zurück nach Perth mussten. Dort durchliefen wir sowohl die Rückgabe- als auch die Übernahme-Prozedur einmal komplett und sind schließlich am Nachmittag in südlicher Richtung aufgebrochen.

Endlich Grün!

Und der Südwesten des roten Kontinents hielt ein ganzes Stück mehr Abwechslung für uns bereit. Zuallererst: Bäume. Wie sehr man das saftige Grün doch vermissen kann, wenn man tagelang nichts Anderes als Sand und Buschlandschaften sieht. So genossen wir die Fahrt durch die aufgrund der Sommerferien etwas überfüllten Küstenorte und machten die Region um Margaret River als erstes großes Zwischenziel auf der Südroute aus. Und was gehört zu einem Stopp in einer der schönsten Weinregionen Australiens dazu? Eine Weintour natürlich. Auch wenn es bei Wine for Dudes leider ein bisschen zu sehr um die Wirkung von Alkohol und zu wenig um das Geschmackserlebnis ging.

Weiter entlang der Südküste erwarteten uns riesige Bäume, türkisblaues Meer und ein echtes australisches Buschcamp. Außerdem eine wilde Küste, ein super leckeres Barbecue und schließlich der östlichste Punkt unseres Roadtrips: Esperance. Auch dieses Städtchen war leicht ferienüberfüllt, stellte aber den Zugang zu unserem nächsten Roadtrip-Highlight dar: Dem Cape Range Nationalpark. Ganz früh sind wir in den Park gefahren, um uns einen der begehrten Campingplätze in der Lucky Bay zu sichern. Dort verbrachten wir drei Tage umgeben von Sonne, dem klarsten und blausten Wasser, dass wir bisher gesehen haben und einer ganzen Menge Kängurus.

Panne im Outback

Aber auch die schönste Zeit geht mal zu Ende und wir wollten unseren Roadtrip ja noch zu Ende bringen, bevor unser Flieger in Perth ohne uns abhebt. Dazwischen war unser eigentlicher Plan, der Minenstadt Kalgoorlie einen kurzen Besuch abzustatten und schließlich noch den Wave Rock zu besuchen. Aber nix da, 80 Kilometer vor Kalgoorlie hat die Benzinpumpe in unserem Mietwagen aufgegeben. Da wir auch noch das große Glück hatten, von der Panne am Samstagmittag erwischt zu werden, war bis Montag kein einziger Mechaniker verfügbar und wir hatten das langweiligste Wochenende unseres Trips vor uns.

Nachdem wir am Samstag noch in der Outback-Hitze dahingeschmolzen sind, bestand der Sonntag immer wieder aus Gewittern, die zu viel Regen über die trockenen Böden der Minenstadt brachten. Und so hatten wir immer wieder für kurze Zeit einen reißenden Fluss hinter unserem Van. Aber jede Wartezeit geht irgendwann einmal vorbei und so konnten wir am Montag endlich in die Werkstatt fahren. Um dort erneut zu warten. So langsam wurden wir ein klitzekleines bisschen nervös, schließlich sollten wir am Dienstagabend im Flugzeug sitzen. Nach ganz viel Daumen drücken konnten die Stadt am späten Nachmittag endlich hinter uns lassen und 600 Kilometer bis Perth abrocken. Auch wenn einige Straßen zwischenzeitlich eher Flüssen glichen, haben wir es letztendlich pünktlich geschafft, von Sehenswürdigkeiten auf dem Weg – oder Perth – können wir dir aber leider nicht berichten.

Roadtrip Essentials: Auto und Benzin

Du siehst also, so ein Roadtrip durch Westaustralien beinhaltet ziemlich viele, ziemlich einsame Straßenkilometer. Damit einher gehen vor allem so einige australische Dollar für Benzin. Das solltest du im Übrigen auch immer auffüllen, auf vielen Strecken kann die nächste Tankstelle eine ganze Weile auf sich warten lassen. Aber auch das kann wunderbar sein – wenn du dir nicht die ganze Zeit Gedanken machen musst, ob dein Auto die nächste Kurve schafft. Oder dein ganzer Fußraum nach der nächsten größeren Pfütze überflutet ist.

Wir haben unseren Mietwagen von Travellers Autobarn gemietet und glücklicherweise die umfangreichste Versicherung abgeschlossen. Ganz besonders zu Beginn unserer Weltreise wollten wir jeden Cent sparen. Letztendlich hat uns das vor allem mehr als zwei Tage mit einem kaputten Auto, eine unterirdische und kaum zu erreichende Hotline und stetes Bangen um unser Vorwärtskommen beschert. Beim nächsten Mal werden wir also ein kleines Stück tiefer in die Tasche greifen und dann hoffentlich nicht zwei Tage irgendwo im Nirgendwo verschwenden.

Westaustralien bietet sich außerdem leider nur so mittelmäßig für einen Zweiradantrieb an. Unsere Route ist damit problemlos machbar, aber schon sobald ein Campground am Ende einer nicht ganz so gut in Schuss gehaltenen Schotterstraße liegt, gehört eine ganze Menge Hoffnung dazu, sich nicht gerade ein finanzielles Grab zu schaufeln. Außerdem sind alle Strände, ein paar Nationalparks und eine Campgrounds nur mit einem Wagen mit Allradantrieb zu erreichen. Wir würden dir also dringend dazu raten, das Geld in die Hand zu nehmen und in einen 4WD zu investieren.

Wir hätten dafür auf einen Campervan verzichten und unser Zelt verwendet. Aber da wir beide vor diesem Trip noch nie in Australien waren, war diese Sache mit den Tieren nicht ganz so gut für uns einzuschätzen. Am Ende können wir sagen, dass wir keine einzige Schlange gesehen haben und uns keine gefährliche Spinne auch nur annähernd zu nahegekommen ist. Aber wenn du zwischen dir und dem australischen Boden lieber ein paar Zentimeter haben möchtest, können wir das natürlich sehr gut verstehen.

Und wo haben wir übernachtet?

Unsere Übernachtungsplätze haben wir täglich über die App Wikicamps gefunden. Die gibts im App Store zwar nicht kostenlos, die fünf Euro lohnen sich aber definitiv. Wir haben so einige Nächte an kostenlosen Plätzen übernachtet und auch wirklich wunderbare Campgrounds aufgetrieben: Seien es Plätze mit Meerblick, grandiosen Hosts, wunderbarer Lage oder einfach nur sauberen Sanitäranlagen. Dazu empfehlen wir die außerdem die App „FuelMap“. In den meisten Fällen war auf unserer Strecke zwar ausgeschildert, wie weit es bis zur nächsten Tankstelle ist. Aber manchmal übersieht man die Angabe, merkt zu spät, dass der Tank nicht mal mehr halbvoll ist oder will einfach nur schauen, ob da nicht noch eine günstigere Tankstelle kommt.

Für unseren Roadtrip hat sich auch der Erwerb eines Holiday Pass für die Nationalparks Westaustraliens gelohnt. Fast jeder Park, den wir besucht haben, kostet 12 AUD Eintritt. Das heißt, wenn du auf den 6.500 Kilometern auch nur vier Nationalparks besuchen möchtest, solltest du die definitiv überlegen, gleich im ersten Park die 44 AUD zu investieren.

Das waren die wichtigsten Informationen zu unserem Roadtrip durch Westaustralien. Du bist auf der Suche nach unendlichen Weiten, türkisblauem Meer, einsamen Stränden und freundlichen Menschen? Los geht’s, Westaustralien wartet auf dich!

Warst du auch schon einmal in Westaustralien unterwegs? Welche Erfahrungen hast du dort gemacht?

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