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Samaipata – Entspannung auf bolivianisch

Nach den vielen Abenteuern in der Atacama-Wüste und auf unserer Jeep-Tour brauchten wir dringend ein bisschen Wärme und Entspannung. Nachdem wir dafür die tropische Großstadt Santa Cruz auserkoren hatten, wurde uns sowohl von Gringos als auch Bolivianer das kleine Örtchen Samaipata ans Herz gelegt. Da haben wir natürlich nicht lange gezögert und sind nach zwei Großsstadttagen in Richtung Westen aufgebrochen. Da wir uns sieben Tage lang nicht von dem Dorf losreißen konnten, kommt hier unser Mini-Guide für Samaipata:

Samaipata: Was ist das denn?

So viele Empfehlungen von so vielen unterschiedlichen Menschen für ein und den selben Ort haben uns erst einmal stutzig gemacht. Eine kurze Recherche ergab, dass das Dörfchen vor ca. 20 Jahren von vielen Gringos entdeckt wurde und mittlerweile eine der Regionen mit dem höchsten Wohlstand in ganz Bolivien ist. Genau das merkst du auch vor Ort: Die meisten Unterkünfte und Tourenanbieter sind in ausländischer Hand. Die Gringos, die wir davon kennenlernen durften, waren Europäer auf der Suche nach einem alternativen Lebensort und -stil. So findest du hier nicht nur schöne Unterkünfte, sondern auch Yoga, vegane Küche und biologisch angebaute Lebensmittel. Dazu liegt Samaipata am Rande des grünen Amboró-Nationalpark und garantiert damit schönste Aussichten auf ferne und nahe saftig grüne Hügel. Der perfekte Ort also für ein paar Tage Ruhe. Von lästigen Push-Benachrichtigungen wirst du wahrscheinlich auch verschont, das ultra-langsame Internet im ganzen Ort verhilft dir ganz kostenlos zum Digital-Detox.

Samaipata: So kommst du hin!

Die „bequemste“ Variante, nach Samaipata zu kommen, ist ein Trufi. Die Mini-Vans fahren an der Straßenecke Avenida Chavez Ortíz und Solid de Olguin in Santa Cruz ab, sobald sie voll sind. Voll ist allerdings relativ. Als wir ankamen, warteten bereits acht Leute, da wir zu viert waren, mussten wir auf einen fünften Mitfahrer für die Gruppe vor uns (kam nach einer Stunde) und einen fünften Mitfahrer für uns warten. Nach zwei Stunden kam ein weiteres Pärchen, das war unser Startschuss. Aber wir wären nicht in Bolivien, wenn nicht noch ein weiteres Pärchen in den Van gequetscht würde. So sind wir am Ende zu acht (plus Fahrer) gewesen. Das hätten wir zwar auch zwei Stunden eher haben können, aber so war unsere Freude über die Abfahrt natürlich deutlich größer. Die Fahrt dauert ca. drei Stunden und führt 1,5 Stunden davon durch die schönsten Ausläufer des Amboró-Nationalpark. Pro Person und Strecke kostet die Fahrt 35 Bolivianos.

Samaipata: Wo übernachten?

Nach ein paar Hostelnächten stand für uns fest, dass unser Zelt definitiv mal wieder zum Einsatz kommen muss. Und wo geht das schon besser, als in schöner Natur, bei angenehmem Wetter und ohne ständiges Auf- und Abbauen? In Samaipata stehen drei Campingplätze zur Auswahl. Da wir ja aber auf der Suche nach ein bisschen Entspannung waren, fielen die ersten beiden mit ihrer Lage im Zentrum gleich mal raus. Was blieb, war die beste Option überhaupt: 15 Minuten Fußweg vom Dorfzentrum entfernt, liegt wunderschön am Hügel die Finca La Víspera. Zur Finca gehört auch ein kleiner Campingplatz mit der schönsten Küche und den saubersten Bädern, die wir bisher in Bolivien hatten. Dort schlugen wir für sechs Nächte unsere Zelt zwischen Palmen und mit Blick auf den Amboró-Nationalpark auf. Der Platz ist perfekt für alle, die auf der Suche nach Ruhe und Natur sind. Der riesige Garten der Finca bot ein wunderbare Kulisse für kleine Spaziergänge und außerdem frische Salate und frisches Obst und Gemüse.

Samaipata: Wo essen?

Neben tollen Übernachtungsmöglichkeiten bietet die Finca La Víspera auch ein Café. Dort haben wir tatsächlich das beste Frühstück auf unseren bisherigen Südamerika-Reise bekommen. Ganz klischeehaft fehlte uns nach vier Monaten Weltreise nämlich vor allem das deutsche Brot. In fast allen Hostels in Südamerika ist zwar das Frühstück inklusive, das besteht meistens jedoch nur aus ein bisschen Weißbrot und Marmelade. Daher haben wir gern auch ein paar Bolivianos mehr als üblich bezahlt und am Ende Vollkornbrötchen mit Käse, Ei und Marmelade geschlemmt. Dazu gab es noch Obstsalat aus dem umliegenden Garten und echten Filterkaffee. Noch so ein Produkt, das uns hier in Südamerika ein wenig fehlt. Die Abwechslung zum löslichen Kaffee kam uns daher wie gerufen. Auch den Rest des Tages kann man ziemlich gut im Café essen. Und wer beobachtet nicht gern, wie der bestellte Salat frisch um einen herum gepflückt wird?

Für ein etwas ungesünderes Essen können wir La Cocina empfehlen. In dem kleinen Laden haben wir saftige Burger, leckere Shawarma, gut gewürzte Köfte und perfekte Pommes gegessen. Auch das eine willkommene Abwechslung für unsere mittlerweile ziemlich südamerikanischen Mägen. Internationale Küche sucht man gerade in Bolivien meist ziemlich vergeblich und findet sie dann manchmal zu sehr gehobenen Preisen. Außer Pizza natürlich.

Weil Restaurantbesuche ja auch irgendwann langweilig sind, bietet der Markt in Samaipata alles, was das Herz (oder der Magen) begehrt. Neben den üblichen Almuerzos gibt es ganz viel frisches Obst und Gemüse. Zumindest in den meisten Fällen ist es frisch, schau dir also unbedingt gut an, was du kaufst. In der Markthalle findest du neben Obst und Gemüse auch alle weiteren Zutaten: Nudeln, Reis, Quinoa, frischen Joghurt, Kekse, Granola, Eier, Milch etc. Wenn du dann noch ein winziges Fleckchen für ein Dessert übrig hast, hol dir unbedingt ein Eis an der Plaza. Dort werden nämlich pürierte Erdbeeren in einem kleinen Plastikbecher mit Stil gefroren. Leckerer kann man sich nicht abkühlen.

Samaipata: Auf nach El Fuerte!

Neben einigen faulen Tagen in der Sonne und ganz viel Entspannung wollten wir doch auch ein bisschen die Gegend um Samaipata kennenlernen. Da das Dorf am Rande des Amboró-Nationalparks liegt, bot sich ein Ausflug in den Park natürlich an. Nachdem wir aber ein paar Touranbieter abgeklappert hatten, waren wir ziemlich ernüchtert: Alle Agenturen fahren an den gleichen Ort im Nationalpark, da es eine der wenigen Stellen ist, die ohne 4WD zugänglich ist. Selbst die schönste Natur verkraftet so viele Menschen auf so wenig Platz natürlich nur bedingt, sodass diese Region des Nationalparks schon ziemlich plattgetreten sein soll. Damit hatten wir den Plan erst einmal auf Eis gelegt und widmeten uns dem anderen Highlight der Region: El Fuerte.

Die Inka-Ruine bildete das eigentliche Samaipata und liegt wunderschön auf einem der höchsten Hügel inmitten saftigen Grüns. Da wir uns weder mit Inka-Geschichte noch der speziellen Geschichte rund um Samaipata besonders gut auskannten, wollten wir uns gern von einem lokalen Guide durch die Ruine führen lassen. Auf Empfehlung unserer Unterkunft hin, machten wir uns auf den Weg zu Olaf, einem Österreicher, der seit fast 20 Jahren in Samaipata lebt. Ihr findet ihn und seine Frau im Café „La Gatita“. Da wir zu sechst unterwegs waren, hat uns die Tour inkl. Transport 60 Bolivianos pro Person gekostet. Der Eintritt in die Ruine und das Museum schlugen außerdem noch einmal mit 50 Bolivianos pro Person zu Buche.

Nachdem wir im archäologischen Museum des Örtchens eine kleine Einführung in die Geschichte der Inkas und die der Ruine bekommen und außerdem einen Einführungsfilm geschaut hatten, ging es los in Richtung El Fuerte. Allein die Fahrt war schon ein Erlebnis, da wir die sagenhaften Ausblicke von dem offenen Teil des Pick-Ups aus genießen konnten. Auch die Ruine glänzte zuerst einmal mit ihrer Lage und den beeindruckenden Fernblicken. Nachdem wir auch die ersten Condore gesichtet hatten, konnte die Geschichtsstunde losgehen. Ziemlich spannend und auch immer noch ziemlich undurchsichtig, was die alten Inkas damals so getrieben haben. Leider ist die Erhaltung der Ruine äußerst schwierig und teuer. Daher verblassen die Gravuren in dem erosionsanfälligen Sandstein immer mehr. Wenn du dir den südöstlichsten Punkt der Inkas also auch mal live anschauen willst, fahr lieber schnell nach Samaipata.

Samaipata: Amboró-Nationalpark

Ganz vom Tisch war unser Ausflug in den Amboró-Nationalpark noch nicht. Olaf hatte uns glücklicherweise an Don Giliberto verwiesen, und einen Ausflug mit diesem alten Herrn können wir dir auch nur ganz dringend empfehlen. Als Besitzer eines (ziemlich alten) 4WD bietet er als einziger Guide im Ort Touren in einen gänzlich anderen Teil des Parks an. So schlängelten wir uns eine Stunde über üble Dreckpisten hinauf zum Startpunkt unseres vierstündigen Spaziergangs durch den dichten Nebelwald. Immer wieder gingen wir über Wege, deren Richtung wir mit der besten Karte nicht gefunden hätten. Umgeben waren wir dabei von tausenden Jahre alten Farnen, die sich riesengroß über uns erhoben. Daneben gab es Teebäume, Lianen und ganz viel anderes Grünzeug. Fast noch ein bisschen besser als der Amboró-Nationalpark waren allerdings die Geschichten von Don Giliberto: Als bisher einziger Mensch hat er eine Gruppe angeführt, die den undurchdringlichen Nationalpark durchquert hat. Außerdem hat er sich noch gegen den ein oder anderen Tiger verteidigt und ein bisschen auch den Tourismus nach Samaipata gebracht. Leider spricht er nur spanisch. Wenn du die Sprache aber ganz gut verstehst, solltest du für deine Tour in den Nationalpark unbedingt den alten Don Giliberto wählen. Zu viert hat uns die Tour 100 Bolivianos pro Person gekostet.

Samaipata: Los Volcanes

Zwischen Samaipata und Sanza Cruz liegt die Region Los Volcanes. Vulkane gibt es dort zwar nicht, dafür aber ziemlich schönen Regenwald und spannende Berge. Don Giliberto hatte uns einen Kontakt vermittelt und uns zu viert für 100 Bolivianos nach Bermejo gefahren. In dem winzigen Örtchen haben wir unser überschüssiges Gepäck an einem Kiosk abgegeben und sind schließlich mit dem alten Mann losgezogen. Auf einem Weg aus roter Erde sind wir eine halbe Stunde an den letzten Häusern aus Lehm vorbeigezogen, bevor wir eine breiten, braunen Fluss überqueren mussten. Kaum hatten wir unsere Hosenbeine nach oben geschoben, fielen die ersten fiesen Dschungeltierchen über uns her. Als wir den nicht ganz so reißenden Fluss überquert hatten, übergab uns Don Giliberto an Vincente del Gadillo. Dieser führte uns immer tiefer zwischen die roten Felswände, vorbei an vielen Kühen und noch mehr Orangenbäumen. Als wir den höchsten Punkt unserer Wanderung erreicht hatten, rückte unser Ziel ins Sichtfeld: Tief unter uns stand eine kleine Bretterhütte mitten in saftigem Regenwaldgrün. Nach einem schlitterigen Abstieg waren wir ein bisschen ernüchtert: Die Hütte war mehr ein Bretterverschlag als eine echte Unterkunft und anders als versprochen waren weder Trinkwasser noch eine Küche vorhanden. Nichtsdestotrotoz haben wir natürlich das Beste aus der Situation gemacht. Die Küche hatte Vicente mit einem feuerfesten Topf für das Lagerfeuer ersetzt und Trinkwasser hatten wir glücklicherweise für eine Nacht dabei. Also haben wir unsere Zelte mitten in der Hütte aufgebaut und anschließend nur noch die umliegende Natur genossen. Um uns herum war einzig und allein sattes Grün. In der Ferne erhoben sich zwischen dicken Nebelschwaden rote Felsen. Während man auf dem Balkon in das Grün starrte, zirpten drum herum alle nur vorstellbaren Vögel. Dazwischen machte sich immer wieder ein Affe bemerkbar. Als Ausgleich zu so viel Wildnis machten sich immer mal wieder die Katzen von Vicente bemerkbar. Irgendwann war das Tageslicht verschwunden und es wurde Zeit für die Stars des Abends: Während wir von Lagerfeuer in die Dunkelheit starrten, war die Luft voller leuchtender Glühwürmchen. Die kleinen Wundertiere blitzten immer wieder zwischen den Bäumen auf und machten das Gefühl, nachts im Dschungel zu sitzen, noch einmal verrückter.

Am nächsten Morgen packten wir unsere sieben Sachen zusammen und machten uns auf den Weg zurück in die Zivilisation. Kaum zurück an der Straße erwischten wir schon das erste Trufi in Richtung Santa Cruz und unsere wunderbare Wochen in und um Samaipata war zu Ende. Wenn du ein bisschen Zeit in Bolivien übrig hast, mach dich unbedingt auf den Weg in das kleine Auswanderer-Dorf. Dort findest du Ruhe, Entspannung, Abenteuer und ganz viel leckeres Essen.

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