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Unsere Van-Stellplätze in Portugal

Aussicht Porto Covo

Nachdem wir unser Lieblingsauto unter dem Hintern, eine grobe Fahrtrichtung ausgemacht hatten und mit der Fähre von Sétubal in den ruhigen Teil der Reise gestartet waren, blieb nur noch eine Frage offen: Wo sollen wir bloß übernachten?

Die Antwort war für uns ziemlich schnell klar. Wenn wir schon so einen vollumfänglich ausgestatteten Wagen mit Dachzelt und vier Schlafplätzen dabei haben, brauchen wir uns um eine gesonderte Unterkunft nicht kümmern. Campingplatz? Irgendwie auch so ein bisschen unspontan, aber da wir trotz intensiver Recherchen nicht so ganz schlau geworden sind, ob man Portugal nun wild stehen darf oder nicht, haben wir uns das als Option gelassen.

Schon vor unserer Abreise hatten wir uns die iOverlander App auf das Smartphone geladen. iOverlander wurde von zwei Reisenden mit dem Ziel gegründet, Standplätze von Overlandern für Overlander zu sammeln. Auf der Seite und auf der App kannst du dir alle Plätze um deinen aktuellen Standpunkt oder an einem bestimmten Ort anzeigen lassen. Die Orte können von allen Nutzern eingepflegt und bewertet werden. Du kannst also anderen Reisenden helfen, die schönste mögliche Übernachtung an einem Ort zu finden und gleichzeitig deine eigene Reise tracken. Wir haben drei unserer Stellplätze in Portugal über die App gefunden waren ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis.

Nacht Eins und Vier in Porto Covo

Nachdem wir die Anfangsaufregung und die großen Straßen hinter uns gelassen hatten, konnten wir den Van endlich genießen. Durch duftende Pinienwälder und vorbei an riesigen Reisfeldern haben wir gar nicht bemerkt, dass die Zeit immer weiter voranschreitet. Dann war es allerdings auch nicht mehr weit bis zu einem Stellplatz in der kleinen Küstenstadt Porto Covo. Mit Blick auf den Sonnenuntergang teilten wir uns einen großen Platz direkt an den Klippen mit zwei anderen Bullis. Auf einem asphaltierten Platz nebenan fanden außerdem einige Wohnmobile ihren Standort.

Van Sonnenuntergang

Der Ausblick war gigantisch und der Weg bis zu Bucht nicht weit. Nach ein paar Stufen waren wir bereits unten am tosenden Meer. Das Geräusch hat uns die ganze Nacht über begleitet und sanft in den ersten Schlaf im Dachzelt befördert. Neben dem Ausblick und dem Standort mitten am Meer hatte auch das Örtchen an sich zwei großartige Standortvorteile. Mitten im Ortskern gab es eine Servicestation für Wohnmobile etc., an der wir unseren Wasservorrat auffüllen konnten. Außerdem gab es genügend Restaurants zur Auswahl, um nicht mit leerem Magen in die Federn zu fallen. Der gesamte Ort und auch jedes Café und jedes Restaurant waren erstaunlich leer, als wir im Mai dort waren. Im Sommer wird sich das ganz sicher ändern.

Porto Covo Nacht

Mit dem Stellplatz hatten wir gleich am ersten Tag einen richtigen Glücksgriff gelandet. In der vierten Nacht hatten wir mit der Stellplatzsuche etwas südlicher leider weniger Glück. An allen Stränden, die wir  mehrere Kilometer um Vila Nova de Milfontes angefahren waren, haben uns Schilder das Übernachten im Van ausdrücklich verboten. Da wir auf unserer Stellplatzsuche immer weiter in Richtung Norden vorgerückt waren, haben wir uns letztlich noch einmal für das schöne Porto Covo entschieden – und wurden nicht enttäuscht. Diesmal hatten wir den Stellplatz ganz für uns allein. Am Tag darauf haben wir die Sonne im Sand genossen und ab und an den großen Zeh in die tosenden Wellen gehalten.

Nacht Zwei am Praia da Ingrina

Nach der wunderschönen aber doch ziemlich frischen Nacht in Porto Covo sind wir dem Ruf der Wärme gefolgt. Die Algarve ganz im Süden des Landes war unser Ziel. Nachdem wir einige schöne Stopps an den hohen Klippen der Region eingelegt hatten, wollten wir uns langsam auf die Suche nach einem ähnlich schönen Stellplatz wie in der Nacht zuvor machen. Was sich jedoch als nicht ganz so einfach herausstellte: Nachdem wir am Cabo de Sao Vicente den südwestlichsten Punkt Europas erkundet hatten, wollten wir einfach einen der nächsten Strände ansteuern. Leider jedoch deutlich leichter gesagt als getan. Nachdem wir an einem Strand nach dem anderen gelandet waren, der entweder zu einer Hotelkette gehörte oder an dem das Übernachten im Van verboten war, haben wir mal wieder zu unserer Lieblingsapp gegriffen.

Praia da Ingrina Sonnenuntergang

Gar nicht so weit von unserem Standpunkt aus sollte ein ganz netter Übernachtungsplatz aus uns warten. Blöd nur, wenn das einzige Navigationsgerät eine sehr grobe Karte ist und man die Zufahrtsstraße zum Strand verfehlt. Als wir über die „falsche“ Straße endlich einen Strand erreicht hatten, bekamen wir einen klitzekleinen Kulturschock: laute Musik, an der Straße aufgereihte Vans und ziemlich viel Müll. Die Hoffnung stirbt aber bekanntlich zuletzt und so sind wir der winzigen Straße, die von diesem Strand weiterführte, gefolgt. Und siehe da: Meerblick, Ruhe, Natur und kaum ein anderer Van. Genau so hatten wir uns das vorgestellt – und der Praia da Ingrina erfüllte all unsere Wünsche.

Aussicht Van Praia de ingrina

Dort hatten wir dann eine sehr ruhige, aber schon ziemlich warme Nacht. Gut, dass die Bucht nur einen winzigen Fußmarsch entfernt war und das Meer zum Abkühlen einlud. Der nächtliche Sternenhimmel war magisch und der morgendliche Ausblick einfach wunderschön. Genau so hatten wir uns eine Reise im T2 immer vorgestellt.

Nacht Drei in Tavira

Zweimal Glück setzt die Ansprüche beim dritten Mal natürlich ziemlich hoch. Und irgendwie war an Tag Drei dann auch der Wurm bei uns drin. Nachdem wir die Einsamkeit an der Westküste Portugals so genossen hatten, der Wind uns auf leerer Straße durch die Haare gefegt war und wir Kilometer für Kilometer keinen Menschen gesehen hatten, war die Algarve ein kleiner Schock. Die Straßen waren voll, nichts ging vorwärts, überall Betonbauten, Autobahnkreuze und an den Straßenrändern Werbung ohne Ende. So hatten wir gar keine richtige Lust mehr, die kleinen und abgelegenen Ort rechts und links der Straßen zu erkunden.

Tavira

Letztlich sind wir bis Tavira gefahren, um endlich aus die ganz großen Touristen Hotspots hinter uns zu lassen. Nachdem wir die bezaubernde Altstadt ein wenig zu Fuß erkundet und die Laune mit einem Kaffee aufgebessert hatten, stand allerdings immer noch die Frage im Raum, wo wir die Nacht verbringen konnten. Die iOverlander-App gab im Mai keinen einzigen Tipp in der Region her. Wir waren schon fast soweit, in den sauren Apfel zu beißen und einen Campingplatz anzusteuern. Aber einen einzigen Versuch wollten wir uns noch offen lassen: Auf der Karte mit Satellitenansicht einen Strandabschnitt gesucht, abgeschätzt, ob es da ein paar Parkplätze geben könnte und drauf geachtet, dass es sich nicht unbedingt um den Hauptstrand handelte. Und tatsächlich: Glück gehabt! Vor der Isla de Tavira konnten wir am Rand einer Sandstraße, die zu einem winzigen Strandabschnitt führte, übernachten.

Tavira Van

Die Aussicht war wunderschön. Es war fast schon ein bisschen zu kitschig, wie da irgendwann irgendjemand mal ein Boot vor unserem Van vergessen hatte. Auch wenn wir ausnahmsweise mal keinen direkten Meerblick hatten, waren wir von der Ruhe und der schönen Marschlandschaft beeindruckt. So ganz mithalten konnte der Stellplatz im Nachhinein leider nicht, dafür sorgten zwei Störfaktoren: An keinem einzigen unserer Abende in Portugal zuvor hatten wir Mücken gesehen oder gespürt. Das alles holten wir an diesem einen Abend nach. Die Biester war extrem aggressiv und trotz unserer größten Bemühungen nicht aus dem Van zu halten.

Van Nacht Tavira

Als wir es uns dann endlich im Dachzelt gemütlich gemacht hatten, kam noch ein anderes Problem angedüst: eine Jugendgruppe nutzte den Standort scheinbar für eine kleine Zusammenkunft. Es war weder eine Party noch gingen die Männer einer anderen Aktivität nach. Stattdessen haben sie einfach ziemlich direkt vor unserem Van geparkt und sich die ganze Zeit auf portugiesisch unterhalten. Eigentlich ja kein Problem, nachdem wir aber völlig allein an diesem Ort standen und uns einen aggressiven Unterton in den Sätzen eingeredet hatten, war an Schlaf natürlich nicht mehr zu denken. Erst nachdem die Gruppe endlich wieder abgezogen war, konnten wir die Ruhe wieder genießen und uns von den Strapazen des Tages erholen.

Van Alentejo

Die Algarve konnte uns also nicht so richtig mitreißen, sodass wir am nächsten Tag einmal quer durchs Alentejo zurück nach Porto Covo gedüst sind.

Nacht Fünf am Praia da Aberta Nova

Wir hatten am fünften Tag also einen entspannten Strandtag in Porto Covo hinter uns gebracht und waren auf der Suche nach einem ruhigen und nicht allzu weit entfernten Stellplatz, um doch noch einmal einen neuen Ort kennenzulernen. In der iOverlander-App hatten wir uns erneut einen nahe gelegenen Stellplatz ausgesucht, der sich allerdings wieder einmal als ziemlicher Party-Stellplatz entpuppte.

Praia da Aberta Nova

Das Stellplatz-Glück hat uns aber auch an diesem Abend nicht verlassen und so sind wir direkt am nächsten Strand fündig geworden. Kilometerlanger Sandstrand, ganz für uns allein. Dazu das tosende Wellenrauschen und – mal wieder – ein wunderschöner Sonnenuntergang.

Nacht Sechs am Cobo da Roca

Auch wenn uns das Verlassen dieses grandiosen Stellplatzes ziemlich schwer fiel, so langsam musste unser Van wieder zurück zu seinem eigentlichen Besitzer. Da sich unsere Reisegeschwindigkeit in Grenzen hielt, beschlossen wir, die Nacht nicht allzu weit vom Rückgabeort zu verbringen. Und was bot sich da mehr an, als der westlichste Punkt Europas?

Cabo da Roca

Einsam war es dort nicht unbedingt und der Natur sind wir auch nicht sonderlich nah gekommen. Aber der Ausblick vom Kap war einfach unvergleichlich. Nachdem dann irgendwann auch fast alle Tagestouristen abgezogen waren und alle Rentner in ihren Wohnwagen verschwunden sind, hatten wir eine ruhige letzte Nacht unter einem traumhaften Sternenhimmel.

Übernachten im Van in Portugal!?

Auch wenn es den ein oder anderen Versuch benötigte, haben wir an jedem Tag mit unserem VW T2 einen genialen Stellplatz in Portugal gefunden. Die iOverlander App hat uns an einigen Tagen tolle Dienste geleistet. Zwischenzeitlich sind schon wieder viel mehr Stellplätze dazu gekommen und auch wir haben unsere Meinungen dort gelassen. Portugal bietet eine gute Infrastruktur für „wildes“ Übernachten im Auto. In fast allen Fällen haben wir offizielle Parkplätze direkt am Meer gefunden, auf denen wir die Nacht verbringen durften. Oft waren diese auch mit großen Mülleimern ausgestattet. An manchen Orten mussten wir zwar weiterziehen, weil man nicht Übernachten durfte. Insgesamt bestand für uns aber zu keinem Zeitpunkt die Notwendigkeit, auf einen Campingplatz zu fahren.

Warst du schon mit Van unterwegs? Welche Länder kannst du für traumhafte Stellplätze empfehlen?

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