Weltreise-Fazit – 14 Monate unterwegs. Und nun?

Am 29. Dezember 2016 sind wir in den Flieger in die große weite Welt gestiegen. Und am 25. Februar 2018 sind wir zurück gekommen. Eine kleine Weihnachtspause haben wir uns in Deutschland gegönnt, ansonsten genossen wir 14 volle Monate fremde Länder, Kulturen und Erlebnisse. Wie fühlt es sich an, nach so langer Zeit wieder zurück zu sein? Wie blicken wir auf diese verrückte Zeit zurück? Und wie geht es jetzt weiter? Hier kommt unser Weltreise-Fazit:

Weltreise-Fazit

Lange, lange Zeit haben wir uns auf unsere Weltreise gefreut. Über drei Jahre haben wir gespart, Johann hat sein Studium durchgezogen und ich meine 40h+ Woche gearbeitet. Manchmal stand dann schon die Frage im Raum, ob sich das alles so auszahlen wird, ob wir unser angepeiltes Budget erreichen werden, ob das am Ende auch ausreichen wird, ob uns irgendwann die Reiselust vergeht, ob wir das zu Zweit schaffen werden, ob wir schlechte Menschen sind, weil wir unsere Familie und Freunde zurück lassen und ob wir uns für so viel Geld nicht lieber etwas Bodenständiges kaufen sollten. Fast Forward: Bedenken unbegründet, beste Entscheidung unseres Lebens!

Weltreise-Fazit: Weiter, immer weiter

Der Starttag war einer der schwierigsten Tage auf der gesamten Reise. Aber danach konnte uns nichts so richtig aufhalten. Zwölf Monate am Stück sind wir durch die Welt gereist, durch Australien, Neuseeland, Südamerika, Südostasien und Indien. Langweilig wurde uns in diesen zwölf Monaten nie, Heimweh haben wir nur in den wenigsten Augenblicken verspürt und die Reiselust ist uns kein bisschen vergangen. Immer hatten wir immer ein nächstes Ziel im Kopf. Auch wenn wir ab und an eine Pause eingelegt haben, so richtig sesshaft sind wir kein einziges Mal geworden. Elf Tage war die längste zusammenhängende Zeit, die wir in 2018 an einem Ort verbracht haben. Ob uns das gestört hat? Kein bisschen, ehrlich gesagt.

Weltreise-Fazit: Neuseeland

Keiner von uns beiden hätte das vor Reisestart wahrscheinlich gedacht, aber auf einer Weltreise zahlt sich unsere Rastlosigkeit aus. Schon immer ist mir schnell langweilig geworden, wenn ich einen Ort, eine Tätigkeit oder eine Geschichte kannte. Und so konnten wir auf Weltreise ganz allein bestimmen, wie lange uns ein Ort Spaß macht und wann es Zeit für uns ist, zu gehen. So ein Reisestil ist ganz bestimmt nicht für jeden geeignet. Für uns aber? Perfekt!

Weltreise-Fazit: Budget

Unsere Budget Rechnung hat sich mehr als ausgezahlt. Auch wenn dazu sicher noch ein separater Artikel folgen wird, kann ich bereits so viel zusammenfassen: Unser Plan ist aufgegangen bzw. haben wir unser Budget geschlagen. So waren wir nach einem Jahr Weltreise nicht gezwungen, unsere Reiselust hintenanzustellen, sondern konnten nach Weihnachten noch einmal losziehen. Silvester in Budapest, ein Stop-Over in Abu Dhabi und schließlich: Südafrika. Das Land, das vor der Weltreise nie auf unserer imaginären Bucketlist stand, hat sich nach und nach auf unsere Reisebildschirme geschlichen. Und so sind wir Mitte Januar in Johannesburg gelandet und haben eine grandiose Zeit in einem Land verbracht, das überraschender kaum hätte sein können. Nicht ausschließlich positiv bleibt es uns in Erinnerung, aber das gehört für uns zum Reisen dazu: einen möglichst differenzierten Blick auf ein Land, seine Politik, seine Vergangenheit und seine Kultur zu werfen. Aber auch dazu gibt es hoffentlich noch einen gesonderten Artikel.

Weltreise-Fazit: Wundermittel deutscher Reisepass

Das ist wahrscheinlich auch eine der wichtigsten Erkenntnisse unserer 14 Monate auf Weltreise: Wenn du in Deutschland geboren bist, einen deutschen Reisepass besitzt, dann wirst du auf dieser Welt nur wenige Orte finden, an denen objektiv bessere Lebensbedingungen für dich herrschen. Wir sind noch viel dankbarer als vor dem Start unserer Weltreise, dass wir das Glück hatten, im richtigen Moment und am richtigen Ort geboren worden zu sein. Wir haben eine kostenlose Schulbildung und eine nahezu kostenlose universitäre Bildung genossen. Dort haben wir nicht nur einen warmen und trockenen Ort gehabt, an den wir Tag für Tag kommen durften, sondern haben tatsächlich so einiges fürs Leben gelernt. Wir können lesen, schreiben, mehr oder weniger gut kopfrechnen, können einen Sachverhalt analytisch betrachten und hinterfragen, haben einen objektiven Einblick in die Geschichte unseres Landes erhalten und haben Berufsabschlüsse erlangt, mit denen wir fast überall auf dieser Welt ein Einkommen erzielen können.

Weltreise-Fazit: Indien

Von den 18 Ländern, die wir im Laufe der vergangenen 14 Monate besucht haben, mussten wir uns nur in vier überhaupt vor Einreise um ein Visum oder eine Einreiseerlaubnis kümmern. Insgesamt haben wir weniger als 100 Euro pro Person für diesen Punkt unserer Reise ausgegeben. Unser deutscher Reisepass ist tatsächlich ein Privileg, das wir erst in Gesprächen mit anderen Reisenden oder Einheimischen schätzen gelernt haben. Oder wusstest du, dass sich beispielsweise jeder Kolumbianer bei einer Umstiegsverbindung über die USA um ein Visum für mehr als 200 USD bewerben muss? Da hat es uns dann noch weniger gewundert, dass wir so viele unserer Landsleute in den entlegensten Winkeln unserer Reise getroffen haben.

Weltreise-Fazit: Dankbarkeit

Auch wenn mit Sicherheit auch in Deutschland Verbesserungsbedarf an vielen Stellen besteht, so hat uns die Reise doch gelehrt, dankbar zu sein, in einem Land zu leben, dass uns Freiheit in jeglicher Form, Bildung und ein stabiles Zuhause stellt. Dankbarkeit ist überhaupt eines der vorherrschenden Gefühle, wenn ich auf die letzten 14 Monate zurückblicke. Dankbarkeit für Gesundheit, die es uns ermöglicht hat, überhaupt loszuziehen und dann auch noch so viele Abenteuer zu erleben. Dankbarkeit dafür, vor der Reise ein Leben geführt zu haben, dass uns das Ansparen für eine Weltreise ermöglicht hat. Dankbarkeit, für die wundervollen Menschen, die zu Hause jederzeit ein Auffangnetz für uns bereit gehalten hätten, wenn wir es benötigt hätten. Dankbarkeit auch für die vielen spannenden Menschen, deren Geschichten wir hören durften und die Wegbegleiter, die schließlich auch zu echten Freunden wurden.

Weltreise-Fazit: 423 Tage zu Zweit

Am Ende auch Dankbarkeit dafür, diese einmalige Zeit im Leben mit jemandem teilen zu können, mit dem man schon so lange durchs Leben geht. Nach fast zehn Jahren Beziehung, war uns auch zu Beginn unserer Weltreise klar, dass uns nach Jugendliebe, Fernbeziehung und Zusammenwohnen nichts so schnell aus der Bahn werfen wird. Aber 423 Tage lang 24 Stunden am Stück zusammen zu verbringen? Das haben wir zu Beginn schon ein bisschen zweifelnd betrachtet. Und uns daher auch immer offen gelassen, getrennt weiterzureisen. Im Nachhinein haben wir uns nie wirklich übel in den Haaren gehabt, auch wenn kleinere Raufereien wie in jedem Alltag dazu gehören. Tatsächlich fiel aber unser Lieblingsnervthema fast gänzlich weg: Haushalt. Und so gab es fast keinen Anlass für Streitereien.

Weltreise-Fazit: Zu Zweit

Eigentlich sind wir sogar ziemlich gut zu Zweit auf Weltreise zurecht gekommen. Auch wenn wir irgendwie die ganze Zeit zusammen waren, haben wir uns fast jeden Tag unsere Alleinezeiten geschafft: Lesen, Podcast hören, joggen oder im Internet stöbern. immer wieder haben wir Gelegenheiten ergriffen, in denen jeder ganz für sich die Reise und den Alltag unterwegs reflektieren konnte. Oder in denen wir einfach mal nicht miteinander geredet haben. Die kompletten 423 haben wir übrigens nicht gemeinsam verbracht: In Vietnam hat Johann festgestellt, dass er die neun Tage bis zu unserem nächsten Abflug aus Bangkok nutzen will, um Kambdoscha im Schnelldurchlauf zu erleben. Nach vier Wochen Rundreise in Vietnam, ohne mehr als drei Tage an einem Ort verbracht zu haben, war das für mich so gar keine Option. Also bin ich direkt nach Bangkok geflogen und habe dort eine ziemlich gute Alleinezeit genossen, während Johann durchs Nachbarland gerast ist. Das war im Nachhinein ziemlich gut, erfrischend und perfekt für uns. Ob unsere Reiseart für jedes Paar die richtige ist? Wohl kaum, aber wir haben noch mehr gelernt, auf unser Bauchgefühl zu hören. Und was gibt es schöneres, einen vermissten Menschen wieder in die Arme zu schließen? Wenn du also auch überlegst, mit deinem Partner auf Weltreise zu gehen: Mach dir keinen Stress und hör‘ immer auf dein Bauchgefühl.

Weltreise-Fazit: Immer auf dein Bauchgefühl hören!

Bevor es aber jetzt zu beziehungslastig wird, lieber schnell zur nächsten Weltreise-Erkenntnis: Menschen sind grundsätzlich gut. Was wurden wir nicht gewarnt, vor all den Gefahren, denen wir uns aussetzen würden. Tatsächlich aber ist uns rein gar nichts böses passiert. Klar, in Australien haben ein paar besonders findige Diebe versucht, in unseren Campervan einzudringen. Und ja, auch in Australien wurde uns ziemlich viel Wäsche von der Trockenleine geklaut. Das sind aber auch schon die schlimmsten Sachen, die uns in 14 Monaten Weltreise widerfahren sind. Wir wurden nicht überfallen, nicht mit dem Taxi entführt, nicht beim Couchsurfing ausgeraubt, nicht entführt, sind nicht in einen Banden- oder Drogenkrieg gelangt, wurden nicht vergiftet, haben uns nicht geprügelt und sind auch nicht vom Weg abgekommen.

Weltreise-Fazit: Zug

Überall war tatsächlich (mal wieder) unser Bauchgefühl unser bester Berater. Wir sind in Chile getrampt, sind in Bolivien einem fremden Mann auf einen vermeintlichen Dschungezeltplatz gefolgt, sind in Kolumbien nachts um zwei mit einem Mann, den wir im Bus kennengelernt haben, nach Hause gegangen, haben indisches Essen vom Straßenstand gegessen und zwei Tage und Nächte in Johannesburg überlebt. Das alles waren Dinge, die unsere Eltern aus der Ferne wohl kaum so gutgeheißen hätten. Aber tatsächlich war das alles vor Ort viel weniger absurd, als es jetzt so runtergetippt gerade klingt. Nur bei einer Sache mussten wir leider lernen, unser Bauchgefühl zu überhören: Verkehr. Wenn mein Bauch bei jedem einzelnen Collectivo (südamerikanischer Kleinbus) sagt: „Könnte gefährlich werden“ – dann wird es nix mit dem Reisen. Also sind wir in Busse gestiegen, die wohl schon vor zehn Jahren keine Tauglichkeitsprüfung hätten überstehen dürfen. Oder sind mit Fahrern gefahren, die enge peruanische Straßen am Abgrund mit einer Rennstrecke verwechselt haben. Auch wenn sich das bereits vor der Weltreise angedeutet hat, während der letzten 14 Monate hat sich eindeutig mein Lieblingsfortbewegungsmittel manifestiert: Zug. Gibt es eine entspanntere (und umweltfreundlichere) Art, als abends in einem Ort einzusteigen, vom sanften (und manchmal auch etwas härteren) Schaukeln des Wagens in den Schlaf gewogen zu werden und am nächsten Morgen in einem völlig anderen Ort aufzuwachen? Für mich persönlich: kein Stück.

Weltreise-Fazit: Blog Veränderungen

So wie jede noch so lange Zugfahrt ging dann auch unsere Weltreise nach 14 Monaten zu Ende. Wirklich ausgegangen ist uns die Reiselust auch nach 14 Monaten nicht. Aber so langsam war dann doch der rote Bereich unseres Budgets erreicht und neue Pläne warteten schon auf uns. Am 25. Februar sind wir also wieder in Deutschland gelandet – und wurden direkt mit dem kältesten Wochenende seit Ewigkeiten begrüßt. Seitdem sind fast vier Wochen vergangen und langweilig ist uns nicht geworden: Wir haben all unsere Liebsten wieder gesehen, haben neue Erdenbürger bewundert, deutsches Lieblingsessen genossen, Johann hat an seiner Promotion gearbeitet und ich habe den Blog umgestaltet. An der ein oder anderen Stelle hakt das neue Layout sicher noch (bitte weise mich doch auf die Stellen hin, die bei dir noch nicht so richtig schön angezeigt werden), aber bisher bin ich ganz zufrieden mit dem neuen Anstrich. Wie du vielleicht schon gesehen hast, gehört Johann nicht mehr so 100 % zum Autorenteam dazu. Der Blog war eigentlich von Anfang mein Herzensprojekt und jetzt brauche ich auf niemand mehr Rücksicht nehmen, sondern kann tun und lassen was ich möchte.

Außerdem habe ich damit begonnen, an der ein oder anderen Stelle Affiliate Links einzufügen. Das heißt, wenn ich dir ein Produkt empfehle, weil es sich für mich als ziemlich gut herausgestellt hat, dann kannst du zum Einkaufen gern diesen Link benutzen. Das macht deinen Einkauf für dich keinen Cent teurer, ich bekomme aber eine kleine Provision ausgezahlt. Damit hoffe ich irgendwann die mittlerweile nicht mehr ganz so günstigen Server- und Hostingkosten decken zu können.

Weltreise-Fazit: Wie gehts weiter?

Die Weltreise ist vorbei, wie geht es für uns Zwei jetzt also weiter? Langweilig wird es ganz bestimmt nicht, denn schon am 27. März steigen wir schon wieder in den Flieger. Zwei Tage später werden wir mit einem Working Holiday Visum ausgestattet in einem Land ankommen, das wir schon ganz zu Beginn unserer Reise ins Herz geschlossen haben: Neuseeland. Dort werden wir für begrenzte Zeit in Dunedin zu Hause sein, wo Johann einen Job an der Universität beginnen wird. Die Studentenstadt hat uns bereits im Februar 2017 ziemlich gut gefallen, mit ihrer rauen Natur vor der Tür, der entspannten Atmosphäre und der zentralen Lage auf der Südinsel. Auch wenn uns ein neuer Alltag in unserer alten Heimatstadt Leipzig sehr gut gefallen hätte, wollten wir uns diese Chance nicht entgehen lassen und testen jetzt das Leben auf der anderen Seite der Erde aus, bevor wir dann wirklich sesshaft werden.

Weltreise-Fazit: Unterwegs

Obwohl, so richtig sesshaft? Das wird wohl eher nix auf mittlere Sicht. Ein Hauskauf steht nicht auf dem Plan. Stattdessen träumen wir schon wieder davon, in fünf oder sechs Jahren erneut auf große Reise zu gehen. Mal schauen, was daraus wird. Welche Überraschungen das Leben bis dahin für uns bereit hält. Oder ob wir bis dahin doch noch zu überzeugten Sesshaften werden. Stay tuned!

P.S.: Noch eine Blog-Neuerung: Travellus ist jetzt auch auf Pinterest. Du kennst die Plattform noch nicht oder hast Travellus noch nicht entdeckt? Dann schau doch mal hier vorbei.